Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Schnellauswahl

Russlands Suche nach einem eigenen Platz

(c) Www BilderBox com (Www BilderBox com)
  • Drucken

Das Festhalten an einem Großmachtstatus bleibt die Triebfeder der Moskauer Außenpolitik. Dies auch als Reaktion auf die zunehmend chaotischer werdende Welt.

Wien/B.b. Für alle, die Russland als wichtigen Akteur auf der Weltbühne bereits abgeschrieben haben, könnte es noch ein abruptes Erwachen geben: Dies war die Kernbotschaft, die der prominente außenpolitische Vordenker und Moskauer Publizist Fjodor Lukjanow beim 23. Kulturwissenschaftlichen Dialog zum Thema „Russland – die vergessene Großmacht“ am Mittwoch in der Landesverteidigungsakademie in Wien parat hatte.

Zwar sei Russlands Suche nach einer neuen nationalen Identität in der jetzigen postsowjetischen Phase noch keineswegs abgeschlossen, diagnostizierte Lukjanow. Aber sicher ist für ihn, dass sich Russland innen- und außenpolitisch hin zu einem Hort des Traditionalismus und Konservativismus – ähnlich seinem Großmachtstatus im 19. Jahrhundert – entwickeln werde. Dies auch als Reaktion auf die zunehmend chaotischer werdende Welt.

 

Russland „kein größeres Polen“

Seit dem Kollaps der Sowjetunion sieht Lukjanow das Streben nach einem Großmachtstatus als den roten Faden in der russischen Außenpolitik. Im Georgien-Krieg im August 2008 und mit seinem scharfen „Njet“ zu einem Nato-Beitritt der Ukraine habe Moskau auch klare rote Linien gezogen. Russland wolle eben „kein größeres Polen“ sein, wie es sich der Westen gewünscht habe, sondern seinen eigenen Platz in der Welt suchen und seine eigenen Werte entwickeln.

Europa sieht Moskau dabei angesichts der jetzigen Entwicklungen und der Dauerbeschäftigung mit eigenen Wehwehchen nur noch als peripheren Raum der Weltpolitik. Die Zukunft gehöre dem asiatisch-pazifischen Raum. Und da werde im Westen gern übersehen, dass der überwiegende Teil des russischen Territoriums in Asien liege.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.01.2013)