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Türkischer Verein sieht Verhetzung in Legospiel

Die Verpackung des umstrittenen Lego-Produkts
Die Verpackung des umstrittenen Lego-Produkts(c) Screenshot Lego-Webshop

Das Star Wars-Legoset "Jabbas Palace" sei ein Abklatsch sakraler Gebäude. Die Figuren würden rassistische Vorurteile bedienen.

Möge die Klage mit ihnen sein. Der Verein "Türkische Kulturgemeinde in Österreich" wirft dem dänischen Spielzeughersteller Lego Verhetzung vor und überlegt zu klagen. Der Vorwurf: Das Lego-Set "Jabbas Palace", einem Schauplatz der Star Wars-Filmreihe nachempfunden, sei "pädagogischer Sprengstoff für Kinder". Lego beruft sich dabei auf einen möglichst realistischen Nachbau der Originalszene aus der erfolgreichen Film-Serie.

Angefangen hat alles mit einem Weihnachtsgeschenk. Ein Mann fand, dass das Lego-Präsent seiner Schwester für seinen Sohn nicht seinen pädagogischen Ansprüchen genügen würde und brachte der "Türkischen Kulturgemeinde in Österreich", einem privaten Verein der laut Vereinszielen konsequent "für gleiche Rechte aller Bevölkerungsteile in Österreich" eintreten möchte, eine Beschwerde vor. Der Verein fand ebenso, dass das Produkt "pädagogisch verwerfliche Mängel und kulturell fragliche Assoziationen" beinhalten würde.

Die offizielle Vertretung von Muslimen in Österreich, die "Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich" (IGGiÖ) distanziert sich vom Verein und den Vorwürfen. "Der genannte Verein ist uns nicht bekannt. Wir finden die ganze Diskussion unnötig und kontraproduktiv", erklärt ein Sprecher der IGGiÖ gegenüber DiePresse.com.

Ähnelt einem Sakralbau, behauptet die Türkische Kulturgemeinde.(c) Screenshot Lego-Webshop

Die Vorwürfe im Detail

Die "Türkische Kulturgemeinde in Österreich" argumentiert, dass das Lego-Bauwerk ein "1:1-Abklatsch der Hagia Sophia in Istanbul oder der Moschee Jami al-Kabir in Beirut und eines Minaretts" sei. "Die Figur im Turm ("Gamorreanische Wache") wäre dann mit einem Vorbeter zu assoziieren (als Krimineller mit Axt und Maschinengewehr!)", heißt es weiter. Das Modell ähnle aber auch einem karolingischen Dom wie dem Pantheon in Rom oder einem buddhistischen Tempel. Das Modell sei also Sakralbauten nachempfunden.

Die Türkische Kulturgemeinde zeigt auf ihrer Homepage, wo sie die Verhetzung bei dem Lego-Set sieht.
Die Türkische Kulturgemeinde zeigt auf ihrer Homepage, wo sie die Verhetzung bei dem Lego-Set sieht.(c) Türkische Kulturgemeinde

Die Star Wars-Figur Jabba liebe es außerdem, Wasserpfeife zu rauchen und seine Opfer töten zu lassen. "Es ist offensichtlich, dass für die Figur des hässlichen Bösewichts Jabba und die ganze Szenerie rassistische Vorurteile und gemeine Unterstellungen gegenüber den Orientalen und Asiaten als hinterlistige und kriminelle Persönlichkeiten (Sklavenhalter, Anführer von Verbrecherorganisationen, Terroristen, Verbrecher, Mörder, Menschenopferung) bedient wurden." Auch die rot-schwarze Teufels-Fratze auf der Schachtel sei ein "augenfälliges Signal", dass das Spiel nicht unter dem Christbaum liegen sollte.

Klage möglich

Die Kulturgemeinde überlegt nun nach eigenen Angaben, in Deutschland nach dStGB § 300 Volksverhetzung, in Österreich nach StGB § 283 Verhetzung und in der Türkei Klage bei der jeweiligen Staatsanwaltschaft in Form einer Sachverhaltsdarstellung gegen Lego einzureichen. Der Sprecher der Türkischen Kulturgemeinde erklärt gegenüber derstandard.at: "Hier werden zu Tempeln Assoziationen bei Kindern geweckt, die nicht stimmen. Wir sind keine Fundamentalisten. Wir wollen nur sensibilisieren, das ist unser demokratisches Recht." Das Spielzeug sei nicht für Kinder zwischen neun und 14 Jahren geeignet, "vor allem in Hinblick auf ein friedliches Zusammenleben verschiedener Kulturen in Europa".

Die mitgelieferten Figuren zu
(c) Screenshot Lego-Webshop

Warum das Produkt so aussieht, wie er aussieht, erklärt Lego damit, dass der Bausatz dem "Star Wars"-Original "so realistisch wie möglich nachgebaut" wurde, wird Katharina Sasse von Lego Deutschland auf der Homepage der Kulturgemeinde zitiert. Das Produkt ist laut Lego für Kinder im Alter von 9 - 14 geeignet. Die Produktbewertungen im Lego-Webshop der jungen Lego-Bauherren fällt übrigens ausschließlich positiv aus: "100% aller Kunden würden dieses Produkt weiterempfehlen" - Die Kulturgemeinde hat ihre Bewertung scheinbar noch nicht abgegeben.

(Red.)