Philharmoniker: Neujahr zum Nachhören

Philharmoniker Neujahr Nachhoeren
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Auf der CD sind etliche Walzer und Polkas zu entdecken.

Alle Jahre wieder diskutiert man in Wien über den Dreivierteltakt. Pünktlich zum Neujahrstag haben alle den Walzerrhythmus im Blut und immer schon gewusst, dass man diesen früher einmal besser zu spielen wusste. Ein interessantes Phänomen ist zu beobachten, seit die Wiener Philharmoniker beschlossen haben, den Dirigenten ihrer alljährlichen Auftaktveranstaltung zum 1. Jänner ebenso alljährlich zu wechseln. Richtungsstreitigkeiten unter den Anhängern bestimmter Maestri sind seither ebenso an der Tages-, pardon: Jahresordnung wie die mehrheitliche Ansicht des Millionenpublikums, das die Sache als Fernsehereignis betrachtet: Mit Willi Boskovsky sei der ideale Interpret des „Donauwalzers“ sowieso dahingegangen.

Alle sprechen nur über die Optik. Bei alledem wird, zum Teil ohne dass die Protagonisten es bemerken, in Wahrheit nur noch über die Optik gesprochen. Wie das Neujahrskonzert über den Bildschirm kommt, ist das Thema. Vorgeblich wird zwar über Melodien, vor allem über Rythmen, über musikalische Werte so ganz im Allgemeinen diskutiert, im Hintergrund lobt und richtet aber offenbar nur das Auge: Wie schaut er aus, der Mann am Pult, wie bewegt er sich? Welche Mätzchen hat sich die Regie einfallen lassen? Vielleicht sollte man sich einmal statt der DVD-Edition des Neujahrskonzerts dem (bei Sony erschienenen) CD-Mitschnitt widmen und nur zuhören. Im Fall des Neujahrskonzertes 2013 lohnt sich das. Wer nur lauscht, vernimmt ein klanglich höchst differenziertes Konzert, mit Geschmack und ohne sentimentale Drücker und Rücker, sondern mit natürlichen Rubati musiziert, ein Konzert, bei dem notabene eine Menge bis dato kaum bekannter Walzer und Polkas zu entdecken ist, die Johann und Joseph Strauß höchst inspiriert zeigen.

Herrlich: „Aus den Bergen“. Darunter sind philharmonisch selten oder nie aufgenommene Werke wie „Hesperusbahnen“ (mit einigen höchst unorthodox zugemessenen Phrasenlängen) oder der herrlich symphonische Walzer „Aus den Bergen“ mit seiner kostbaren Introduktion und der faszinierenden dynamischen Staffelung der ersten Walzer-Doppelphrase. Solche dramaturgischen Feinheiten haben die Philharmoniker und Franz Welser-Möst heuer feinfühlig herausgearbeitet. Ob man die TV-Optik dieses Konzertes nun mochte oder nicht: Das Hören macht Freude – und darauf kommt es ja am Ende wohl an, vor allem wenn man es unternehmen will, über künstlerische Qualität zu diskutieren.

Philharmoniker und Welser-Möst: Neujahrskonzert 2013 (Sony)

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