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WM: Perfektes Zeitfenster für Millioneninvestitionen

Im Vorfeld des Sportevents entfaltete sich in Schladming ein regelrechter Bauboom mit teils skurrilen Auswüchsen.

Am 29.Mai 2008 hat sich für Schladming ein Zeitfenster geöffnet. Dem Ort am Fuße der Planai und des Dachsteins wurde nach zwei erfolglosen Versuchen die alpine Ski-WM 2013 zugesprochen. Und auf einmal standen dem Ort die Türen offen und vor allem Gelder der öffentlichen Hand zur Verfügung: Rund 400 Millionen Euro wurden investiert. Mehr als die Hälfte der Mittel steuerten Bund und Land Steiermark bei. Genaueres kann man nicht sagen, da es in der Landesregierung keine exakte Aufstellung der WM-Subventionen gibt.

Er habe versucht, das meiste für seinen Ort herauszuholen, das betont Schladmings Bürgermeister Jürgen Winter immer wieder. Viele seiner Wünsche wurden erfüllt. So wurde der Bahnhof runderneuert, die Umfahrung ausgebaut, Abwassersystem und Glasfasernetz auf den neuesten Stand gebracht. Investitionen, die sich mit der WM gut argumentieren lassen.

Aber der Bauboom nahm mitunter auch größenwahnsinnige Formen an. So wurde ein neues Kongresszentrum für gut 2000 Besucher errichtet. Während der WM steht es den Medien zur Verfügung, nach der WM ist eine wirtschaftlich sinnvolle Auslastung mehr als fraglich. Vor allem, weil Schladming, um sich als Kongressstadt zu etablieren, die hochklassigen Unterkünfte fehlen. Fünfstern-Hotel gibt es in Schladming immer noch kein einziges.

Auch die Gestaltung des Zielstadions sorgte im vergangenen Herbst für Aufregung. Der Loop, ein überdimensionaler blauer Betonbogen, sollte ursprünglich den Zielraum umfassen. Doch er wurde, auf Anregung von ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel, wieder abgerissen, um mehr Platz für Tribünen zu schaffen. Kosten der Abrissaktion: unbekannt. Stattdessen wurde das Skygate errichtet. Eine überdimensionale Stahlkonstruktion, die über dem Zielstadion schwebt. Einziger Verwendungszweck: Es ist eine kleine Glasbox integriert, von welcher aus VIPs die WM-Bewerbe verfolgen können. Auch hier sind die Kosten nicht unbedingt transparent, da sie in die Gesamtkosten des Zielstadions (30 Millionen Euro) eingerechnet worden sind.

Pro Bewerb werden in Schladming zwischen 20.000 und 30.000 Besucher erwartet. Hoteliers haben in der Zeit während der WM Einbußen zu verzeichnen, da einerseits viele Stammgäste nicht anreisen, andererseits Skiteams, Betreuer und Journalisten meist Einzelzimmer okkupieren. Aufgrund des Werbewertes der Veranstaltung werden die Verluste aber hingenommen. „Man darf die WM als Werbeplattform nicht unterschätzen“, sagt Gottlieb Stocker, Chef des Schwaigerhofs. Er hofft, dass in den kommenden Saisonen umso mehr Besucher nach Schladming kommen, die Gäste internationaler werden und sich nicht hauptsächlich auf den europäischen Markt beschränken.

2011 konnte die Region Schladming-Dachstein etwas über 2,1 Millionen Nächtigungen verbuchen. Etwa 500.000 davon entfielen auf Schladming. Die WM soll die Zahlen weiter nach oben treiben. Der Tourismusverband hofft in den nächsten Jahren auf ein jährliches Nächtigungsplus zwischen fünf und zehn Prozent. Es wäre gut, würden sich all die Hoffnungen erfüllen. Denn die Erhaltungskosten für die Prestigebauten sowie die Infrastruktur sind ansonsten für Schladming allein kaum zu bewältigen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.01.2013)