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Berlusconi rudert zurück: "Bin Freund Israels"

Berlusconi rudert zurueck Freund
(c) Reuters (Max Rossi)
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Am Internationalen Holocaust-Gedenktag fand Italiens Ex-Premier lobende Worte für Diktator Benito Mussolini. Dieser habe auch "gute Dinge" getan.

Italiens ehemaliger Premier Silvio Berlusconi versuchte nach der Empörung über seinen Lob für Benito Mussolini die Wogen wieder zu glätten. Am Sonntagabend erklärte er, dass er jede Art von Diktatur ablehne. "Meine historischen Analysen sind immer auf der Grundlage der Verurteilung von Diktaturen erfolgt", sagte Berlusconi. Er sei schon immer "ein historischer Freund Israels". Die Empörung über seine vorherigen Aussagen sei Wahlkampfrhetorik seiner Gegner, hieß es in der Erklärung.

Zuvor hatte Berlusconi am Rande einer Veranstaltung zum Internationalen Holocaust-Gedenktag in Mailand gesagt, die Rassengesetze des faschistischen Diktators Mussolini seien "der schlimmste Fehler" während seiner Regierungszeit von 1922 bis 1943 gewesen. Allerdings habe der Duce "in vielen anderen Bereichen gute Dinge" getan.

Mussolini hatte 1938 die "Rassengesetze" verabschiedet, die Juden unter anderem die Ausübung öffentlicher Ämter untersagten. Ab 1943 wurden Juden deportiert - damals regierte Mussolini das unter deutscher Kontrolle stehende Nord- und Mittelitalien. Faschistische Sondereinheiten trugen neben der SS die Hauptverantwortung für die Deportation von etwa 8000 Juden. Berlusconi sagte, Italien habe "nicht dieselbe Verantwortung wie Deutschland" für die Judenverfolgung.

Kritik: "Für mich ist das obszön"

Die Äußerungen des Ex-Regierungschefs sorgten in Italien für heftige Empörung. So zeigte sich am Montag auch Italiens scheidender Premier Mario Monti empört. Dieser habe sich falsch ausgedrückt, vor allem wenn man bedenke, dass er den Internationalen Holocaust-Gedenktag für seine Aussagen gewählt habe, betonte Monti in einem TV-Interview. "Wir dürfen nicht denken, dass solche historische Ereignisse nicht mehr vorkommen können. Es gibt gewisse Herde, auf die man achten muss. Man muss vor allem Gleichgültigkeit bekämpfen", meinte Monti.

"Berlusconi hat diesen Tag aus Wahlkampfgründen genutzt, um in Hinblick auf die Parlamentswahlen im Februar Stimmen aus faschistischen Kreisen zu gewinnen. Für mich ist das obszön", kritisierte Mitte-links-Chef Pierluigi Bersani. Der Chef der Linkspartei "Rivoluzione Civile", Antonio Ingroia, bezeichnete Berlusconi als "Schande für Italien", da Mussolini sein politisches Modell sei.

Internationaler Holocaust-Gedenktag

Am Sonntag wurde weltweit der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Am 27. Jänner 1945 waren die Überlebenden des Vernichtungslagers Auschwitz befreit worden.

(APA/AFP)