Der Staat erleichtert seinen Zugriff auf künftige Soldaten: Einberufungsbefehle sollen elektronisch zugestellt werden, sie gelten als „empfangen“. Die Verschärfung befeuert Gerüchte über eine neue Mobilisierungswelle.
Nach der jüngsten Vereinfachung der Einberufung von Wehrpflichtigen in Russland ist die Nervosität im russischen Netz groß. Kann man sich noch vor der Mobilmachung drücken? Oder sollten kampfunwillige Russen gleich das Land verlassen – so, wie es eine erste Welle junger Männer nach Beginn der Teilmobilisierung im vergangenen September tat?
Viele Details des neuen Gesetzes sind noch unklar, doch eines steht fest: Für die „uklonisty“ genannten russischen Kriegsdienstverweigerer wird es enger. Der russische Staat vergrößert dank umfangreicher Datensammlung seine Kontrolle über Rekruten und Reservisten und droht jenen mit der Einschränkung von Bewegungsfreiheit, die dem Einberufungsbefehl nicht sofort Folge leisten.
Kernpunkt der Verschärfung ist die Erstellung eines zentralen elektronischen Registers aller Wehrpflichtigen, der mit dem staatlichen Dienstleistungsportal Gosuslugi verbunden ist. Dieser Register wird alle wichtigen Personendaten enthalten, ebenso wie die Steuernummer, Angaben zum Führerschein sowie die Meldeadresse. Die Zustellung des Einberufungsbefehls soll ebenfalls über das Serviceportal Gosuslugi abgewickelt werden.