Der liberale Politiker und Publizist Wladimir Kara-Mursa könnte am Montag eine langjährige Haftstrafe ausfassen. Wegen seines internationalen Lobbyings für den „Magnitsky Act“ ist er dem Kreml schon lang ein Dorn im Auge.
Moskau/Wien. Vor mehr als einem Jahr, am 11. April 2022, wurde Wladimir Kara-Mursa in Moskau auf offener Straße festgenommen. Im Polizeibericht hieß es, der bekannte Oppositionspolitiker und Publizist habe beim Anblick der Sicherheitskräfte „seine Bewegungsrichtung geändert und seinen Schritt beschleunigt“ – ein recht verständliches Verhalten für einen unbescholtenen Bürger beim Anblick heraneilender russischer Ordnungshüter. Doch bei diesem ersten, unfreiwillig komisch klingenden Vorwurf ist es nicht geblieben.
Wie es häufig der Fall ist bei der Verfolgung von politischen Gegnern durch die russischen Behörden, hat die Justiz innerhalb eines Jahres einen ganzen Strauß an angeblichen Vergehen zusammengetragen, die dem 41-Jährigen nun vorgeworfen werden. Aus einem Verwaltungsdelikt sind längst mehrere Straftatbestände geworden.