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Ex-US-General McChrystal: „Folter ist sinnlos“

(c) AP (Mark Lennihan)
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Scharfer Kritiker von Obamas Irak- und Afghanistanpolitik bezweifelt Erfolg des Einsatzes von Drohnen. Folter wirkt in beide Richtungen. Sie zerstört die Werte des Folterers.

Washington. Einer der berühmtesten und erfolgreichsten amerikanischen Generäle im Kampf gegen die Terrororganisation al-Qaida äußert starke Zweifel an der Sinnhaftigkeit von Folter bei Verhören und der Tötung von Verdächtigen durch Kampfdrohnen.

„Folter ist sinn- und zwecklos“, sagte der frühere Vier-Sterne-General Stanley McChrystal bei einer Debatte in der Brookings Institution in Washington. „Wenn Sie nämlich jemanden gefangen nehmen, wollen Sie, dass er kooperiert. Natürlich wollen Sie den Umstand ausnutzen, dass er anfangs Angst hat. Er soll sich nicht zu wohl fühlen. Aber Folter wirkt in beide Richtungen. Sie zerstört die Werte des Folterers. Es ist dann schwer, einen höheren moralischen Standard für sich in Anspruch zu nehmen.“ Er selbst habe seinen Einheiten Folter strikt verboten und Zuwiderhandeln standrechtlich sanktioniert.

 

„Drohnen sind nie entscheidend“

McChrystal befehligte jene Sondereinsatzkräfte, die sowohl im Dezember 2003 den früheren irakischen Diktator Saddam Hussein als auch zweieinhalb Jahre später den al-Qaida-Führer Musab al-Zarkawi aufspürten. Er war einer der führenden Köpfe hinter jener Strategie des „Surge“, also der rasanten Erhöhung der Truppenstärke im Irak, die in Verbindung mit sunnitischen Milizen al-Qaida entscheiden schwächte.

Dieselbe Strategie schlug McChrystal Anfang 2009 auch für Afghanistan vor, als er dort Oberbefehlshaber der internationalen Alliierten wurde. Das passte allerdings nicht in die militärischen Vorstellungen von Barack Obama, der damals gerade erst das Weiße Haus als neuer US-Präsident bezogen hatte. Ein farbenfrohes Porträt des selbstsicheren und bisweilen mit seiner Arroganz ringenden Generals im Magazin „Rolling Stone“ kostete ihn vor zwei Jahren die Karriere.

Insofern ist es schlüssig, dass McChrystal wenig von Obamas Einsatz von Kampfdrohnen in Jemen, Pakistan und Afghanistan hält: „Sie können eine positive Wirkung haben – aber ich habe Drohnen nie als entscheidend erlebt.“ Zudem würden sie die öffentliche Meinung negativ beeinflussen. „Jedes Mal, wenn wir in ein Land hineinschießen, gibt es Leute, die das begrüßen, und solche, die das ablehnen. Was würden wir sagen, wenn die Mexikaner eine Drohne nach Texas schicken würden, um dort ohne unsere Zustimmung einen Drogendealer abzuknallen?“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.01.2013)