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ORF-Angestellte solidarisieren sich mit Freien

ORFAngestellte solidarisieren sich Freien
Kuchen? Mit Krümeln protestieren die Freien ORF-Mitarbeiter 2012(c) APA (HERBERT NEUBAUER)
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476 angestellte ORF-Mitarbeiter unterzeichnen eine Solidaritätserklärung. Ihre Forderung: Der ORF solle den "unwürdigen Zuständen" ein Ende bereiten und die Freien Mitarbeiter endlich gerecht entlohnen.

Am Donnerstag tagte der ORF-Stiftungsrat über die ORF-Strategie bis 2020, heute haben die Freien Mitarbeiter ihre Forderung nach einer Besserung ihrer  Arbeitsbedingungen erneuert - mit einem Tross an Unterstützern aus dem Haus. 476 angestellte ORF-Mitarbeiter haben eine Solidaritätserklärung unterzeichnet, in der Stiftungsrat und ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz aufgefordert werden, die Freien Mitarbeiter gerecht zu entlohnen: "Wir wollen und können nicht mehr kommentarlos zusehen, wie unsere Freien Kolleginnen und Kollegen zum Großteil Vollzeit arbeiten, jedoch trotzdem aufgrund eines anachronistischen Honorarkatalogs am Existenzminimum leben müssen", heißt es in dem Schreiben. Die Mitarbeiter bitten den ORF-Generaldirektor und den Stiftungsrat daher, "diesen für einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk unrühmlichen und unwürdigen Zuständen ein Ende zu bereiten".

Mitarbeiter geben Einblick in ihr Leben

Einen Einblick in die Zustände geben die betroffenen Freien Mitarbeiter in einem Begleitbrief, in dem sie ihre jeweilige Arbeitssituation beschreiben und die Frage beantworten, weshalb sie trotzdem noch für den ORF arbeiten. Eine 42-jährige Mutter zweier Kinder, die bei Ö1 arbeitet, meint: "Für mich bedeutet es täglich ein Gefühl der Demütigung, familiären Stress, gesundheitliche Schäden, wirtschaftliche Abhängigkeit - von Mann und Eltern sowie Erklärungsnotstand gegenüber meinen Kindern, ich zitiere: 'Mama, warum hast du so wenig Geld, obwohl du immer so viel arbeitest?'"

"In schlaflosen Nächten mach ich mir Sorgen, im Alter unter der Brücke zu enden. Vom prekären ORF-Einkommen werde ich nie eine Pension bekommen, von der man existieren kann. Sich Geld auf die Seite zu legen oder gar erst eine eigene Wohnung zu kaufen, ist bei diesem Einkommen völlig illusorisch. Wie sich richtiger Urlaub anfühlt, weiß ich gar nicht...", schreibt eine 33-jährige Ö1-Redakteurin.

Eine 41-Jährige, die ebenfalls für Ö1 arbeitet, vergleicht die Tätigkeit für den ORF als Freie mit einer "schlechten (Liebes-)Beziehung": "Es schürt Frust und Wut, lässt Ideen und Energien erlahmen." Und eine 34-jährige FM4-Mitarbeiterin meint: "Nichts ist demütigender, als die besorgte Frage von Kollegen, ob es 'sich eh ausgeht'."

ORF-Generaldirektor Wrabetz muss dem Stiftungsrat am Donnerstag auf Antrag des Grünen Willfried Embacher einen Bericht über den Verlauf der Gespräche mit den Freien Mitarbeitern geben. Ende Februar soll es einen weiteren Verhandlungstermin geben, laut Freien seien aber "nach wie vor keine eindeutigen Signale, keine klare Strategie seitens der Geschäftsführung erkennbar, die unhaltbare Situation der Freien Mitarbeiter im Unternehmen zu ändern".

1130 Euro netto

Jenes Angebot, das Radiodirektor Karl Amon im September vorlegte und im Jänner erneuerte, biet keine Lösung, so die Freien. Er bot ein Garantie-Honorar in der Höhe von 20.000 Euro pro Jahr. Gelten würde es für jene, die mehr als 50 Prozent ihrer Arbeitszeit im ORF ableisten, so Amon.

Die Freien lehnten ab. Nach Abzug von Einkommenssteuer und Sozialversicherung kämen sie wieder nur auf 1130 Euro Einkommen pro Monat, errechneten sie. Die 20.000 Euro seien als Vorschuss auf das Folgejahr geplant - und müssten folglich eingearbeitet werden, auch wenn man aus dem Unternehmen bereits ausgeschieden sei. Zudem würde einer der wenigen Vorteile einer Freien Mitarbeit wegfallen, denn Nebenbeschäftigungen müssten dem Angebot zufolge vom Radiodirektor genehmigt werden. Das würde ihre Situation nicht verbessern, vielmehr hätten sie "alle Pflichten von Angestellten, ohne deren Rechte, ohne deren sozialer oder finanzieller Absicherung".

(APA/Red.)