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Monika R. und die Stunde der Reputationsanwälte

Monika Stunde Reputationsanwaelte
(c) REUTERS (HEINZ PETER BADER)
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Der Fall der entlassenen Salzburger Referatsleiterin Rathgeber ist nur einer von vielen, an denen man gut erkennen kann: In Verfahren, die auch die Öffentlichkeit beschäftigen, muss PR-Arbeit geleistet werden.

Wien. „Diese Frage gehört in den Gerichtssaal, nicht in den Rundfunk.“ So antwortete Herbert Hübel, Anwalt der im Gefolge des Salzburger Finanzskandals entlassenen Referatsleiterin Monika Rathgeber, am vergangenen Freitag in einem Interview vor Beginn ihres arbeitsgerichtlichen Prozesses. Ein ORF-Reporter hat Hübel gefragt, warum Rathgebers Entlassung seiner Meinung nach rechtswidrig gewesen sei. Der 55-jährige Salzburger Rechtsanwalt, Partner bei Liebscher Hübel & Lang, weiß zu unterscheiden, wo die Öffentlichkeitsarbeit in dieser heiklen Causa endet und der juristische Diskurs beginnt.

In den vielen Rechtsstreitigkeiten, die heute die Öffentlichkeit beschäftigen, ist das eine nicht ohne das andere zu denken: die Auseinandersetzung vor Gericht einerseits, die im „Gerichtssaal der öffentlichen Meinung“ andererseits. „Es gibt den Gerichtssaal, in dem wird Recht gesprochen, und den Gerichtssaal der öffentlichen Meinung, in dem wird über Gut oder Böse entschieden“, sagt Alfred Autischer, mit seiner Firma Gaisberg Consulting einer der wenigen in Österreich, die sich voll auf die PR-Beratung in Begleitung juristischer Auseinandersetzungen konzentrieren. „Es geht darum, die Rechtsposition eines Angeklagten, Beklagten oder Klägers so darzustellen, dass seine Reputation geschützt bleibt.“ Eine schwierige Aufgabe, denn die Öffentlichkeit sei „gnadenlos“ und treffe ihre Urteile „eigentlich am ersten Tag nach Erscheinen einer bestimmten Geschichte, also sofort“, so Autischer.

Kein Wunder, dass die „Litigation-PR“ an Bedeutung gewinnt. „Das kann man in großen Zügen bestätigen“, sagt Meinungsforscherin Sophie Karmasin. Sie definiert die „Öffentlichkeitsarbeit im Rechtsstreit“ als „eine Form der Pressearbeit, bei der die Kommunikation vor, während und nach juristischen Auseinandersetzungen gesteuert wird“. Ziel sei es, die juristische Strategie der beteiligten Anwälte zu unterstützen, das Ergebnis der juristischen Auseinandersetzung mithilfe der Öffentlichkeit zu beeinflussen und gleichzeitig Schäden an der Reputation des Mandanten zu vermeiden. Auch Anwalt Gerald Ganzger (Lansky Ganzger & Partner) sieht die Bedeutung der Litigation-PR im Steigen begriffen: „Fast jeder prominente Angeklagte hat im Hintergrund einen Medienberater, oder sein Anwalt hat einen solchen Berater“, sagt Ganzger, zusammen mit Autischer Gründer des neuen Vereins für Litigation-PR. Bloß bleibe die Beiziehung der Berater in der Regel geheim, denn „man will authentisch wirken“.

 

„Sagt's nicht Zocker-Moni“

Das will auch Herbert Hübel. Obwohl er nach eigenen Angaben Amateur in Sachen PR ist, attestieren ihm Beobachter großes Geschick im Vertreten des Falles Rathgeber in der Öffentlichkeit. „Seid's fair, sagt's nicht Zocker-Moni zu ihr.“ Mit diesen Worten eröffnete Hübel am Freitag der vorvergangenen Woche eine Pressekonferenz, in der Rathgeber aus dem Schatten der Anonymität trat und vor der versammelten Presse ihren Standpunkt im Streit mit dem Land Salzburg vertrat. Eine Woche vor Beginn des Prozesses, der ohnehin vor den Augen der Öffentlichkeit ablaufen muss, fand Hübel es richtig, mit dem Mythos der „Schattenfrau“ aufzuräumen und Monika R. öffentlich auftreten zu lassen.

Hübel ist nicht der einzige Rechtsanwalt, der zugleich auch die Betätigung als „Reputationsanwalt“ übernimmt. Auch der ehemalige Finanzminister Karl-Heinz Grasser, der als Ziel behördlicher Ermittlungen wie kein Zweiter die mediale Berichterstattung beschäftigt, hat einen Rechts- und Reputationsanwalt in einer Person: Manfred Ainedter (Ainedter & Ainedter Rechtsanwälte). „Ich habe den Vorteil, alle Journalisten zu kennen, die über den Fall berichten“, sagt Ainedter, der sich allein scherzhaft gern als jene „Heerscharen“ von Beratern bezeichnet, die Grasser von Behördenseite zugeschrieben werden.

Für die Justiz ist die zunehmende Verbreitung der Litigation-PR eine Herausforderung. „Wir dürfen nicht tatenlos zuschauen, wenn eine Darstellung in der Öffentlichkeit nicht passt“, sagt Walter Pilgermair, Präsident des Oberlandesgerichts Innsbruck. Er hat voriges Jahr das „Kirchberger Mediengespräch“ organisiert (und tut es heuer wieder), das ganz dem Verhältnis zwischen Medien und Justiz gewidmet war. Wenn beispielsweise behauptet werde, die Justiz arbeite nicht, sie aber nur auf Rechtshilfe aus dem Ausland warte, dann müsse man transparent machen, dass und warum das so lange dauere. Pilgermair: „Die Justiz muss etwas tun, um solche Situationen besser zu kommunizieren, weil nur so das Verständnis der Bevölkerung wächst.“

 

Ein Fisch in Zeitungen und Justiz

Es soll freilich schon vorgekommen sein, dass die Justiz sich dem Druck der Medien beugen musste. Im Vorjahr stand ein Deutscher im Verdacht, verbotenerweise eine Forelle aus einem Tiroler Bach geangelt zu haben. Er tischte eine zumindest seltsam klingende Geschichte von einer Tiefkühlforelle auf, die er unbemerkt an die Angel gebunden und ins Wasser geworfen haben wollte, um seinen Kindern mit dem „Fang“ eine Freude zu bereiten. Die Medien griffen die bizarre Geschichte bereitwillig auf: „Ich habe eine Tiefkühlforelle geangelt!“, titelte die deutsche „Bild“- Zeitung. Die Staatsanwaltschaft zog den Strafantrag wegen Wildfischerei dann zurück. Im Interesse der Effizienz der Justiz, wie es hieß.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.02.2013)