Aktien starten mit Plus, Gold mit Minus

Jaenner Jahr Aktien starten
Jaenner Jahr Aktien starten(c) Www BilderBox com (Www BilderBox com)
  • Drucken

Im Jänner legten Bankwerte aus den Krisenländern einen Höhenflug hin. Heimische Aktien haben diese Erholung schon hinter sich. Heuer sollte es nur noch leicht nach oben gehen.

Wien. „Wie der Jänner so das Jahr“, lautet eine Börsenweisheit. Im Vorjahr bewahrheitete sie sich. Im Jänner 2012 schossen die Aktienmärkte hoch, und nach einem Durchhänger im Sommer beendeten sie das Jahr mit einem starken Plus. Auch im heurigen Jänner haben sich die Kapitalmärkte bislang positiv entwickelt. Ein gutes Vorzeichen für das ganze Jahr? „Die Presse“ nimmt die einzelnen Anlageklassen genauer ins Visier.


•Bankaktien legen zu: Viel Geld hätte man seit Jahresbeginn mit spanischen und italienischen Bankaktien verdienen können. Das Papier der Bank-Austria-Mutter UniCredit verteuerte sich in nur einem Monat um 24 Prozent. Die fünf Bestperformer in Spanien sind ebenfalls allesamt Banken. Ursache ist die nachlassende Angst vor einem Zerfall der Eurozone, der diese Papiere zuvor deutlich abstürzen ließ. Die Erholung erfolgt meist von einem äußerst niedrigen Niveau aus. „Diese Länder kommen aus der Krise raus“, sagt Raiffeisen-Analyst Helge Rechberger. Zuvor hätten sie überproportional gelitten, nun erholen sie sich auch stärker. Seit dem zweiten Halbjahr 2012 würden „Peripheriebedenken“ (Angst vor einer Zuspitzung der Krise in Südeuropa) zudem ausgepreist. Denn die Wirtschaftskrise sei in diesen Staaten zwar noch nicht vorbei, sie bessere sich aber. „In Phasen der Übertreibung wird alles in einen Topf geworfen, nun ist die Panik weg und Investoren konzentrieren sich auf das Wesentliche.“


•US-Aktien steigen, sind aber teuer: Im Jänner stieg der US-Index Dow Jones auf Eurobasis um drei Prozent. Ursache war die Erleichterung der Anleger, dass die Fiskalklippe (automatisches Inkrafttreten von Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen zum Jahreswechsel) vorerst abgewendet scheint. Doch in den nächsten Monaten könnte es noch einmal holprig werden, wenn sich die US-Politiker nicht auf eine Schuldenobergrenze einigen können, warnt Rechberger. „US-Aktien sind auch im Vergleich zu anderen teuer“, meint Russ Koesterich, Chefinvestmentstratege bei Blackrock. Am ehesten sollte man zu großen Unternehmen greifen. Bei kleineren Firmen sei zu viel Wachstumsfantasie eingepreist. Das Wachstum werde sich aber heuer in anderen Regionen abspielen, und die Investoren seien auch bereit, mehr Risiko zu nehmen und dorthin zu gehen: Schwellenländeraktien (sie haben heuer bis dato verloren) sollten sich deutlich erholen.

•ATX hält sich stabil: Zählten im Vorjahr deutsche und österreichische Aktien zu den Bestperformern, so blieben sie heuer leicht hinter der weltweiten Entwicklung zurück. Auch die heimischen Bankaktien stiegen seit Jahresanfang kaum. Ursache ist, dass sie schon im Vorjahr die gute Entwicklung vorweggenommen haben, meint Rechberger. Generell sollten die Märkte in diesem Jahr nicht mehr so stark zulegen wie 2012. Rechberger rechnet bis Jahresende mit einem Plus von zehn Prozent. Zwischenzeitliche Korrekturen seien aber immer möglich. Koesterich warnt Anleger generell, zu stark auf den Heimatmarkt zu setzen. Das sei ein Fehler, den Kleinanleger in aller Welt begingen. Es verhindere aber eine breite Streuung.
•Anleihen werden billiger: Seit Jahresbeginn sind die Renditen „sicherer“ Staatsanleihen (Deutschland, Österreich, USA etc.) gestiegen. Für zehnjährige österreichische Anleihen erhält man derzeit (vor Spesen und Steuern) 1,95 Prozent. Nur bei portugiesischen, italienischen und griechischen Papieren sind die Renditen von einem hohen Niveau aus gefallen. Eine steigende Rendite ist für Anleiheninhaber unangenehm, bedeutet sie doch, dass ihre Papiere an Wert verlieren. Noch immer können Käufer mit der Rendite zum Teil nicht einmal die Inflation abdecken. Das trifft sowohl auf Anleihen sicherer Staaten als auch auf Bonds großer Konzerne zu. „Um die Inflation zu schlagen, muss man schon zu Anleihen aus einem schlecht gerateten Bereich greifen“, sagt Rechberger. Auch Firmenanleihen aus Schwellenländern sind teuer geworden. Selbst das hohe Währungsrisiko bekomme man dort nicht mehr durch hohe Renditen abgegolten. Der Analyst glaubt, dass sich die Zinsspanne zwischen Firmen- und Staatsanleihen (Firmen zahlen mehr) verringern wird. Die absoluten Renditen werden „eher steigen“, auch weil Investoren in andere Anlageklassen umschichten. Generell sind die Zinsen bei kurzer Laufzeit geringer als bei langer. Koesterich rät jedoch Anlegern, die hohe Zinsen wollen, eher zu Papieren von Unternehmen mit schlechter Bonität (High-Yield) als zu Staatsanleihen mit sehr langer Laufzeit. Bei Letzteren riskiert man einen Kursverfall, wenn die Zinsen (für neue Papiere) steigen. „Bezahlen Sie nie zu viel für Sicherheit“, sagt Koesterich.

•Gutes Umfeld für Gold, doch Luft ist draußen: Der Goldpreis gab heuer bis dato nach, der Silberpreis konnte leicht zulegen. Die Stimmung spricht derzeit nicht für Gold, der Preis befindet sich gerade in einem Abwärtstrend. Hinzu kommt, dass Gold international in Dollar gehandelt wird und dieser gegenüber dem Euro zur Zeit stetig nachgibt. Negative Realzinsen (wenn die Inflation höher ist als die Zinsen) seien aber grundsätzlich ein gutes Umfeld für Gold, sagt Koesterich. Die meisten Analysten erwarten nach zwölf Jahren Anstieg heuer erneut ein moderates Plus. Goldexperte Ronald Stöferle glaubt gar, dass der Goldpreis von derzeit 1667 auf 2000 Dollar ansteigt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.02.2013)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.