Presserat verurteilt rassistischen "Heute"-Artikel

Presserat verurteilt rassistischen HeuteArtikel
Der inkriminierte Artikel(c) DiePresse.com (Günter Felbermayer)

Eine Rekordanzahl an Lesern hatte sich gegen jenen Artikel beschwert, in dem rassistische Vorurteile über Muslime bedient wurden. Die Reaktion von "Heute" war nur teilweise ausreichend.

Der Presserat hat wie erwartet bei jenem "Heute"-Artikel, der im Dezember mit rassistischen Formulierungen die Medienbranche erregte, eine schwerwiegende Verletzung des Ehrenkodex erkannt. Konkret beanstandete das Kontrollorgan einen Beitrag über einen Mordfall in Kärnten, in dem stand, dass der mutmaßliche Täter zur Sorte Mann gehöre, "die zum Glück eher hinterm Halbmond lebt. In Ländern, wo das Gesäß beim Beten höher ist als der Kopf". 66 Leser hatten sich über jene Passage beschwert. Das ist die bisher größte Anzahl von Meldungen zu einem Medienbericht.

Der Presserat sah in dem Artikel "eine Pauschalverunglimpfung von Menschen mit muslimischem Glauben; gleichzeitig auch eine Diskriminierung aus religiösen beziehungsweise rassistischen Gründen sowie eine Herabwürdigung einer anerkannten Religionsgemeinschaft, die geeignet ist, berechtigtes Ärgernis zu erregen", gab der Presserat am Montag bekannt.

Entschuldigung in Print "nicht ausreichend"

Positiv wurde die Entschuldigung des Chefredakteurs auf der Webseite gewertet, wohingegen die Reaktion in der Printausgabe von "Heute" "nicht ausreichend" war, da dort in erster Linie die raschen Konsequenzen der Chefredaktion gelobt wurden und nicht die Entschuldigung im Vordergrund stand, so der Presserat.

Gewürdigt wurden aber die "umfangreichen Konsequenzen", die die Gratiszeitung aus dem Vorfall gezogen habe: Gegen die Autoren des Artikels wurden disziplinäre Maßnahmen ergriffen, die Autoren haben sich bereit erklärt, unentgeltlich gemeinnützige Arbeit für islamische Organisationen zu leisten, die Chefredaktion wird in Absprache mit dem Betriebsrat einen redaktionsinternen Verhaltenskodex entwickeln, gegenüber der Chefredaktion wurden neue Kontrollschleifen für spät am Abend verfasste Artikel eingeführt und es wird Schulungen geben, um die Sensibilität der "Heute"-Redaktion zu schärfen.

Nicht Mitglied des "Presserats"

"Heute" ist nicht Mitglied des Presserats und hat sich dessen Schiedsgerichtsbarkeit bis dato nicht unterworfen. Von der Möglichkeit, an diesem Verfahren teilzunehmen und Stellung zu nehmen, hat "Heute" aber Gebrauch gemacht.

(APA)