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Schüler: Lernen nichts fürs Leben

(c) Clemens Fabry
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Neun von zehn Schülern halten den Lehrstoff in der Schule teils für sinnlos. Bulimie-Lernen ist verbreitet. Die Hälfte fühlt sich durch den Schulalltag demotiviert.

Wien/Beba. Wenn einmal die Schüler Gelegenheit haben, der Schule ein Zeugnis auszustellen, fällt dieses nicht besonders gut aus. Im Gegenteil: Wie eine aktuelle Umfrage der Bundesschülervertretung zeigt, empfindet nicht einmal jeder Zweite der rund 4500 befragten Oberstufenschüler die Schule als eine gute Vorbereitung für den weiteren Bildungs- und Lebensweg.

Neun von zehn Schülern halten den Lehrstoff demnach zumindest teilweise für sinnlos (siehe Grafik). Sie wüssten bereits jetzt, dass sie manches davon nie wieder brauchen würden. Nur ein Drittel der befragten Schüler hat den Eindruck, die Lehrerinnen und Lehrer würden sich für ihren weiteren Bildungsweg verantwortlich fühlen. Und mehr als drei Viertel von ihnen wünschen sich von der Schule mehr Infos über die Möglichkeiten nach dem Schulabschluss.

Auch mit der Motivation in der Schule steht es nicht zum Besten. Weniger als die Hälfte der Schüler (47Prozent) fühlt sich durch den Schulalltag motiviert, gute Leistungen zu erbringen. Weit verbreitet ist dagegen das sogenannte Bulimie-Lernen, bei dem möglichst viel Stoff in das Kurzzeitgedächtnis gepackt wird: Knapp zwei Drittel der Schüler geben in der Umfrage an, den erlernten Stoff kurz nach der Prüfung wieder zu vergessen.

(c) DiePresse

„Wenn ich die Sinnhaftigkeit dessen, was ich erlerne, nicht sehe, dann werde ich auch nicht versuchen, den Stoff lange zu behalten“, erklärt dazu Bundesschulsprecher Felix Wagner von der ÖVP-nahen Schülerunion. „Sinnvolles und effizientes Lernen sieht anders aus.“ Für ihn sind die Umfrageergebnisse jedenfalls ein „Warnsignal, das ernst genommen werden muss“.

Eine mögliche Alternative zeigt die Umfrage selbst auf: mehr Freiheit. Sieben von zehn Befragten sind der Meinung, dass die Schüler ab der neunten Schulstufe ihre Fächer selbst aussuchen sollten. Zumindest teilweise wird dies in der neuen, modularen Oberstufe der Fall sein (siehe oben).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.02.2013)