Die Ich-Pleite

Gibt es auch den Pfingststreit?

Carolina Frank 
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Im Gegensatz zum bekannten Weihnachtsstreit habe ich bisher noch nie etwas von einem Pfingststreit gehört. Ich weiß nicht, ob man das theologisch begründen kann oder meteorologisch oder ferientechnisch. Die Pfingstferien sind ja die letzten vor den langen Sommerferien, kurz, aber voller Vorfreude. Trotzdem bin ich vor ein paar Tagen haarscharf (oder wie es jetzt in den feinsten Häusern heißt „arschknapp“) an einem Pfingststreit vorbeigeschrammt.

Es war nämlich so, dass bei einem sehr gemütlichen Pfingstbrunch ein Kind fragte, was dieses Wort überhaupt heißen soll, dieses „Pfingsten“, es klinge komisch. Eine verkniffene Tante am Tisch (ich) erklärte, es komme von „fünfzig“. Es sei nämlich so, dass der Heilige Geist fünfzig Tage nach Ostern auf die Apostel herabgekommen sei. Das Pfingstwunder, wo sich dann alle verstanden haben. Die Mutter des Kindes warf mir einen empörten Blick zu. Diesen Blick, den man früher aussandte, um zu sagen, das sei ja wohl kein Thema für Kinder! Lag es an der Thematik allgemein? Entpuppte ich mich mit der Erklärung als schwarze Betschwester? Hatte ich in den veganen Pansophenhaushalt eine sektenhafte Schadinformation eingeschmuggelt?

Es war dann aber gar kein Glaubensstreit im engeren Sinn. Es ging einfach wie so oft in letzter Zeit um das Gendern. Der Geist! Und da ich schon etwas zu tief in den Brunch-Sekt geblickt hatte, hatte der Teufel leichtes Spiel mit mir und gab mir die Worte ein: Ein Geist sei doch sowieso geschlechtslos. Das Stirnrunzeln wurde immer tiefer. Außerdem ist er gern als Taube unterwegs und sei zu Pfingsten in Form von Feuerzungen auf die Leute herabgekommen. Cool, sagte das Kind. Feuerzungen! Und plötzlich haben wir uns alle wieder verstanden.

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