Sukzessive werden Wiens Einkaufsstraßen der zweiten Reihe nun erneuert. An der Oberfläche, aber auch in der Tiefe. Neben der Optik geht es nun bei der Umgestaltung um Klimaanpassung.
Bäume (die noch ein paar Jahre auf ihren großen Auftritt als Schattenspender hinwachsen müssen), Beete (in denen die Gräser, natürlich insektenfreundlich, erst einige Kiesel überwachsen müssen) und heller Pflasterbelag auf nun viel breiteren, zur Fahrbahn hin abgeflachten Gehsteigen: Die neue Thaliastraße ist fertig.
Zumindest weitestgehend, der Abschnitt von der U3-Station stadtauswärts folgt 2024. Stadteinwärts sieht man nun, wie Wiens Einkaufsstraßen im Jahr 2023 aussehen: viel Grün, breite Gehsteige, heller Belag, Wasser, viele Sitzgelegenheiten.
So oder so ähnlich wird vielerorts umgestaltet, Projekte laufen für den Umbau der Bernardgasse (7. Bezirk), Pfleilgasse (8.) und Argentinierstraße (4.). Besonders im Fokus stehen aber die Boulevards der zweiten Reihe, die hinter Kärntner oder Mariahilfer Straße, hinter Shoppingcentern und Onlinehandel ins Hintertreffen geraten sind. In denen Geschäfte zusperren, Imbisse aufmachen. Und die vielfach etwas heruntergekommen sind.
Wie es die Ottakringer Thaliastraße war. Hier sieht man, je näher man dem Gürtel kommt umso deutlicher, wie eingesessener Handel Dienstleistern und Gastronomie weicht. Aber der Popularität tut das keinen Abbruch, die Straße ist belebt, Sitzgelegenheiten (wieder echte Bänke statt vereinzelter Sitze) voll. Nicht nur hier scheinen sich Moden zu ändern, in Ottakring sieht man gut, was sich in den vergangenen zehn Jahren in Sachen Straßengestaltung getan hat: Die nahe Ottakringer Straße wurde bis 2013 neu gestaltet. Dort wurden noch seltsam geschwungene Bänke ohne echte Lehnen aufgestellt, damit niemand allzu bequem sitzen und schon gar nicht liegen kann. Vor allem aber fehlte der Fokus aufs Klima: So wurden weniger Bäume gepflanzt, statt Ahorn wie in der Thaliastraße waren es Ginkgos.
Überbreite Gehsteige, viele Grünelemente, Nebelduschen, viele Verweilzonen – das ist jetzt neuer Standard und wurde in der Thaliastraße umgesetzt, sagt Andreas Kauzner von der MA 28 (Straßenverwaltung und Straßenbau). Das große Thema Mikroklima, raus aus Asphalt, sei vor zehn Jahren nicht so im Fokus gestanden.