Debatte

Kritik an Hymnen: Und jetzt ist das Burgenland dran

Die Kritik an den Landeshymnen reißt nicht ab.
Die Kritik an den Landeshymnen reißt nicht ab.Imago
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Der Komponist war Mitglied der NSDAP, kritisiert die IG Autorinnen und Autoren. Sie fordert eine neue Hymne. Und wie steht es um den antiquierten Text?

Der Anstoß hier: Der Komponist Peter Zauner, ein NSDAP-Mitglied. Deshalb fordert der Autorenverband nun eine neue Hymne. Landeshauptmann Peter Doskozil zieht sich elegant aus der Affäre: Man nehme die Kritik ernst, vermeldet sein Büro, lehne aber das Ansinnen ab – zumal auch der Historiker, der den Stein ins Rollen brachte, keinen Anlass zum Abschaffen sehe.

Ein „Mann des Volkes“

Durchaus gelegen kam der Komponist vor seiner Nazi-Karriere dem Ständestaat: Als Bauer und Leiter einer Blasmusikkapelle galt er als „Mann des Volkes“, und nur ein solcher „kann das Lied des Volkes schaffen“, wie eine Jubelmeldung lautete. Auch der Text, von einem Lehrer verfasst, entsprach den Anforderungen aus Wien. Es galt, allfälligen Abspaltungstendenzen des noch wenig gefestigten Neuzugangs entgegenzuwirken: „Mit Österreich verbunden“, betont schon die erste Zeile. Später heißt es dann noch kräftiger: „Mit Öst‘reichs Länderbunde hält dich verknüpft das Bruderband schon manche gute Stunde!“ Heute, so manche gute (und schlechte) Stunde später, könnte man auf solche beschwörenden Worte wohl verzichten – auch wenn Ungarns Premier Orbán gerne mit einem Großungarn-Schal auftritt, auf dem man gemäß den alten Grenzen auch das Burgenland einverleibt sieht.

„Zu dir steh‘ ich mit Herz und Hand“: Können Feinfühlige das heute noch vom Text dieses Liedes behaupten? „Auf dir ruht Gottes Vaterhand“ widersetzt sich dem Gebot der Inklusion von Nichtgläubigen. „Gestählt in hartem Streit“ glorifiziert den Krieg als Schule für suspekte Sekundärtugenden wie „Treue“ und „Fleiß“. Gelassener stimmen könnte solche Kritiker eine historische Fußnote: Nachdem das Burgenland sieben Jahre lang in zwei ostmärkische Gaue zerschnitten war, kam die Hymne zurück – weil auch die gewiss strengen Prüfer der sowjetischen Besatzungsmacht keine Einwände gegen sie hatten.


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