Umfrage

Jedem Zweiten fällt es schwer, den Job zu wechseln

Die meisten wollen im Job alles perfekt machen.
Die meisten wollen im Job alles perfekt machen.Die Presse (Clemens Fabry)
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Neben Kündigungen haben viele Arbeitnehmer damit zu kämpfen, mehr Gehalt einzufordern oder Aufgaben abzulehnen.

Trotz der derzeit noch günstigen Lage, am Arbeitsmarkt einzusteigen oder umzudisponieren, fällt es der Hälfte schwer, den Job zu wechseln. Im Umkehrschluss bedeutet das: 50 Prozent haben keine Hemmung davor, sich vom Unternehmen abzuwenden. Darüber hinaus spüren viele einen innerlichen Widerstand, wenn es darum geht, mehr Lohn einzufordern oder „Nein“ zu sagen. Zumindest, wenn man der aktuellen karriere.at-Umfrage unter 860 Beschäftigten zwischen 18- und 60 Jahren Glauben schenkt.

Mit 52 Prozent sind die 50- bis 60-Jährigen die größte Gruppe, denen ein Jobwechsel schwerfällt, gefolgt von den 40- bis 49-Jährigen. Aber auch die Jungen verabschieden sich nicht leichtfertig vom Arbeitgeber: So beschreiben 47 Prozent der 18- bis 29-Jährigen die Entscheidung zum Wechsel als Herausforderung. Apropos Herausforderung: Gemäß der Studie wollen 63 Prozent der Befragten alles perfekt machen. Ein Drittel denkt häufig, durchhalten zu müssen. Das kann davon abhalten, die Komfortzone zu verlassen und sich weiterzuentwickeln.

Gender Pay Gap in OECD-Ländern bei 12 Prozent

Besonders Frauen würde es schwer fallen, um einen höheren Lohn zu verhandeln. Während es rund einem Drittel der Männer schwer fällt, sträuben sich 58 Prozent der Frauen davor. Ähnlich verhält es sich bei Chancen, um sich weiterzuentwickeln oder eine höhere Position vorzuschlagen: Dies fällt 18 Prozent der Männer, aber 32 Prozent der Frauen schwer.

Wenn es schon um die Unterschiede zwischen Männern und Frauen im Arbeitsleben geht: Die geschlechtsspezifische Lohnlücke ist in OECD-Ländern mit durchschnittlich zwölf Prozent noch immer deutlich, wie die aktuelle OECD-Studie „Reporting Gender Pay Gaps in OECD Countries“ zeigt. Ihr zufolge liegt Österreich mit einem Median von 12,2 Prozent im Durchschnitt der Mitgliedsstaaten.

Einer der Gründe sei Intransparenz: Nur 21 von 38 OECD-Ländern - unter ihnen Österreich - verlangen von Arbeitgebern, nach Geschlecht aufgeschlüsselte Lohndaten zu melden. Von diesen 21 Ländern fordern zehn eine „umfassendere, obligatorische Verfahren zur Prüfung der Entgeltgleichheit (...), sodass anschließend tatsächlich Maßnahmen zur Beseitigung von Ungleichheiten greifen“. Zu diesen Ländern zählt Österreich nicht. Hierzulande werde von den Arbeitgebern nicht verlangt, der Berichterstattung konkrete Maßnahmen folgen zu lassen.

Kollege erhält 1 Euro, Kollegin nur 88 Cent

Die OECD empfiehlt ihren Mitgliedsländern in einer Aussendung, den Kreis der Unternehmen auszuweiten, die verpflichtet sind, aufgeschlüsselte Lohndaten zu melden. In vielen Ländern seien kleine und mittlere Unternehmen von dieser Pflicht bisher ausgenommen. Auch Menschen mit befristeten Verträgen und Teilzeitbeschäftigte würden häufig ausgeklammert. Entsprechend fehlten die notwendigen Daten für Menschen in eher prekären Beschäftigungsverhältnissen. Eine weitere Empfehlung lautet, Unternehmen zu sanktionieren, wenn sie sich nicht an die geforderte Lohnberichterstattung halten.

In den OECD-Ländern betrage das unbereinigte geschlechtsspezifische Lohngefälle im Durchschnitt 11,9 Prozent. Das bedeutet, dass die durchschnittliche vollzeitbeschäftigte Frau für jeden Euro, den der durchschnittliche vollzeitbeschäftigte Mann verdient, etwa 88 Cent erhält. Dieses Gefälle ist von Land zu Land sehr unterschiedlich und reicht von 1,2 Prozent in Belgien bis zu 31,1 Prozent in Korea. In Kolumbien, Spanien, skandinavischen Ländern aber auch Griechenland, Polen, Italien oder der Türkei ist der Gender Pay Gap demnach kleiner als im Durchschnitt - und auch Österreich.

„Die Kluft wird noch größer, wenn man das Einkommen betrachtet, das alle erwerbstätigen Frauen und Männer am Ende des Jahres nach Hause bringen, da Frauen tendenziell weniger Stunden in bezahlter Arbeit verbringen als Männer. Frauen seien in Teilzeitjobs überrepräsentiert“, heißt es vonseiten der OECD. (ere)

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