Die Politiker in der EU-Kommission und im Europaparlament stürzen sich auf ein neues Modethema. Man muss hoffen, dass ihre Aufmerksamkeit dafür nicht so schnell versiegt wie bei früheren Anlässen.
Langsam wird der jüngste Kommunikationsgag, mit dem Politiker ihre Hipness belegen wollen, schal: am Mittwoch trat Roberta Metsola, die Präsidentin des Europaparlaments, in Straßburg vor die Mikrofone und erklärte, sie habe vor diesem ihrem Auftritt ChatGPT gefragt, was sie über Künstliche Intelligenz sagen solle. Das haben wir in dieser und ähnlicher Form schon mehrfach erlebt, und der Aha-Effekt, dass eine Software, die große Mengen von Text verarbeiten kann, aus großen Mengen geistloser Funktionssprache eine kleine Menge Funktionssprache destillieren kann, sollte eher den betreffenden Politikern und den Redenschreibern in ihren Kabinetten zu Denken geben.
Weil: wussten Sie schon, dass Künstliche Intelligenz der größte zivilisatorische Sprung seit der Kernspaltung/der Dampfmaschine/dem Buchdruck/der Erfindung des Rades/der Bändigung des Feuers ist? Dergleichen hochtrabende Ansagen hört man seit Monaten auch in Brüssel immer und immer wieder, was sie weder richtiger macht, noch abschließend falsifiziert. Die spannende Frage für den Bürger ist doch eher: kann die EU diese Form der rasanten Datenverarbeitung vernünftig einhegen?