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Kaum gezielte Zuwanderung nach Österreich

Kaum gezielte Zuwanderung nach
(c) EPA (ANDY RAIN)
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Erst seit kurzem ist Anstieg bei hoch qualifizierten Migranten zu verzeichnen. Dass Österreich für qualifizierte Migranten interessanter wird, zeigen die Daten zur Rot-Weiß-Rot-Card.

Wien. Österreich, das Paradies für Hochqualifizierte aus dem Ausland? Wenn überhaupt, dann ist das Zukunftsmusik. Bei Arbeitsmigranten dominiert hierzulande noch immer das Bild vom Gastarbeiter. Auch in Studien schneidet Österreich bei der qualifizierten Zuwanderung regelmäßig schlecht ab. So auch in einem aktuellen OECD-Bericht. Darin landet Österreich auf dem letzten Platz. Die meisten Arbeitswilligen gehen demnach nach Neuseeland, gefolgt von Kanada, Korea und Italien.

Verglichen wurde die Zahl der Arbeitsmigranten als Anteil an den Einwohnern. Wer aus Nicht-EU-Ländern nach Österreich oder Deutschland kommt, um zu arbeiten, ist in der Regel gut ausgebildet. Sonst bekommt man kaum eine Aufenthaltsbewilligung. Allerdings suchen Nicht-EU-Bürger kaum Arbeit in Österreich. Ist das Land wirklich so unattraktiv für gebildete Ausländer? Laut Ko-Autor Thomas Liebig muss man die Zahlen differenziert betrachten: „In den EU-Ländern mit viel dauerhafter Migration aus Drittländern, wie Italien und Portugal, gibt es viel Zuwanderung für niedrig qualifizierte Tätigkeiten. Diese Art der Arbeitsmigration aus Drittstaaten ist in Österreich und Deutschland praktisch nicht vorhanden.“ Anglofone Länder wie Neuseeland, Kanada und Australien dürfe man fairerweise nicht mit Österreich und Deutschland vergleichen, da die Sprachbarriere wegfalle.

Auch Dänemark kommt in der Studie gut weg. Liebig zufolge ein Sonderfall, an dem sich aber auch Österreich ein Beispiel nehmen könnte: „Dänemark hat in den Ursprungsländern der potenziellen Zuwanderer aktiv geworben.“ Zudem sei in Dänemark Englisch als Arbeitssprache eher akzeptiert als in Deutschland und Österreich.

2700 Rot-Weiß-Rot-Cards

Die Statistik verdeckt aber noch einen anderen Aspekt: Wegen der Personenfreizügigkeit werden Menschen, die aus beruflichen Gründen von einem EU-Land in ein anderes ziehen, nicht berücksichtigt. Rechnet man sie ein, rückt Österreich ins Mittelfeld. Liebig schränkt aber ein: „Die Arbeitsmigranten aus Drittstaaten sind überwiegend hoch qualifiziert. In der Personenfreizügigkeit dominieren die Mittelqualifizierten.“ Die größte Einwanderergruppe sind hierzulande die Deutschen.

Dass Österreich für qualifizierte Migranten interessanter wird, zeigen die Daten zur Rot-Weiß-Rot-Card. Sie hat im Juli 2011 das Schlüsselkraftsystem abgelöst und richtet sich an Fachkräfte und Hochqualifizierte aus Drittstaaten. Seit der Einführung hat sich die Zahl der qualifizierten Zuwanderer nach Österreich verdoppelt. Zwischen Juli 2011 und Juli 2012 wurden 1556 Anträge bewilligt. Im Jahr davor waren es halb so viele. „Man kann davon ausgehen, dass sich das in den nächsten Jahren noch verbessert“, sagt Margit Kreuzhuber, Migrationsexpertin in der Wirtschaftskammer. Ende 2012 waren fast 2700 Anträge genehmigt. Auch das Bildungsniveau der in Österreich lebenden Ausländer steigt: 1991 hatten zehn Prozent einen AHS- oder BHS- Abschluss. Heute sind es 18 Prozent.

Wer eine Rot-Weiß-Rot-Card möchte, muss ein Jobangebot in Österreich haben. Ausnahmen gibt es für Menschen, die herausragende berufliche Leistungen oder Auszeichnungen vorweisen können. Die meisten Rot-Weiß-Rot-Cards wurden an Direktoren und Geschäftsführer (615) vergeben, gefolgt von IT-Technikern (508). An dritter Stelle stehen Sportler (334).

Während sich das alte Modell vor allem an Akademiker gerichtet hat, zielt das neue auch auf Fachkräfte, also Mittelqualifizierte, ab. Sie werden in Österreich dringend gesucht. „Installateure aus Drittstaaten konnten früher so gut wie nicht ins Land. Jetzt orientiert sich das System am Bedarf des Arbeitsmarkts“, so Kreuzhuber.

Deutsch als größte Hürde

Einige Hürden für Zuwanderer bleiben aber: Laut OECD-Umfragen in Deutschland ist das Beherrschen von Deutsch vor allem in Klein- und Mittelbetrieben die wichtigste Qualifikation. Ähnlich ist die Situation in Österreich. Auch beim Klima für Ausländer besteht Nachholbedarf: Studien zufolge fühlen sich Zuwanderer in kaum einem Land so diskriminiert wie in Österreich.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.02.2013)