Präsident Biden will als Arbeiter-Versteher die Wahl ein zweites Mal gewinnen. Er verspricht scharfe Besteuerung von Wohlhabenden und Großkonzernen.
New York/Philadelphia. „Nicht die Wall Street hat Amerika erbaut“, ruft Joe Biden in die Menge, „ihr habt das getan“. Es sind große Worte, die der US-Präsident in Philadelphia wählt. Vor ihm sind Arbeiter, Mitglieder der Gewerkschaft: das Publikum für den ersten offiziellen Auftritt Bidens als Kandidat für die Präsidentschaftswahl 2024. Er will als ihr Mann ein zweites Mal gewinnen, als Anti-Großkapitalist. „Wenn die Investment-Banker dieses Landes morgen streiken würden – keiner würde es merken. Wenn die Leute, die gerade hier in diesem Raum sind, morgen nicht zur Arbeit kommen, würde das ganze Land stillstehen. Also sagt mir: Wer zählt mehr in Amerika?“
Bidens erster Auftritt in der Kandidatenrolle verrät einiges über die Richtung, die seine Kampagne in den kommenden eineinhalb Jahren einschlagen wird: ein Appell an einen verlorenen Mittelstand. Republikanische Politik, sinnierte Biden am Samstag, hätte nur eines zustande gebracht: „Die Mittelklasse auszuhöhlen, das Defizit aufzublasen, Jobs ins Ausland zu verschiffen, einer Gemeinschaft nach der anderen die Würde und den Stolz und die Hoffnung zu nehmen, während Fabriken im ganzen Land schließen.“