Martin Behr ist in der Grazer Triestersiedlung aufgewachsen. Und hat dort über Jahre hinweg Details in der Wohnung seiner Mutter fotografiert. Nicht sein einiges Projekt in der Siedlung, der die KPÖ ihren Aufschwung verdankt.
Da. Martin Behr deutet auf ein blasslila Haus mit rötlichen Balkonen zwischen Bäumen. Dort, im 7. Stock rechts, hat früher seine Mutter gewohnt.
Fünf Jahre ist es her, dass sie gestorben ist, 95 Jahre war sie alt, 57 Jahre lang hat sie in dieser Grazer Wohnung gelebt. Heute leben dort andere Menschen, er sei nie wieder in der Wohnung gewesen, erzählt Behr, und wolle es auch nicht. Ihm bleiben seine Erinnerungen. Und 6000 Fotos, die er in dieser Wohnung geschossen hat.
„Immer, wenn ich sie besucht habe, meistens einmal in der Woche, habe ich dort fotografiert“, erzählt Behr. „Nicht nach einem Plan, sondern weil es so schöne Details waren.“ Die beige, strukturierte Tapete. Kuchenreste auf einem rötlichen, englischen Teller mit pastoraler Szenerie. Gehäkelte Vorhänge. Stofftiere, Haarspray und Gummihandschuhe. Brieflose auf einem bestickten Tischtuch. Peter Rapp im Fernseher. Ein Blatt Küchenrolle mit dem Abdruck von Gläsern. Über Jahre bleiben die Dinge gleich und sind doch immer ein wenig anders. „Die Sensation im Unscheinbaren“, nennt es Behr im Gespräch in einer kroatischen Bäckerei an der zentralen Kreuzung der Triestersiedlung. „Mit der Zeit wurde das zum richtigen Suchtfaktor.“