Eisberge am Strand: Die Fotografin und frühere Umweltaktivistin Vanja Bucan hat das Bild der heurigen Ringturm-Verhüllung geschaffen. Mit der „Presse“ sprach sie über ihre inszenierte Fotografie, in der der Mensch in die Natur buchstäblich eingreift.
Menschen stehen in kurzen Hosen an einem Strand, das Wasser umspielt ihre Füße. Aber etwas an dem Bild ist verschoben, eine andere Realität drängt herein.
„Wandernde Eisberge“ heißt das Bild, das im heurigen Sommer den Ringturm verhüllt und das Stadtbild am Wiener Donaukanal prägt. Als die Wiener Städtische an sie herangetreten sei, erzählt Fotografin Vanja Bucan, habe sie dabei erst einmal nachschauen müssen, was der Ringturm überhaupt ist. „Wow“, war ihre erste Reaktion. „Das ist ernst, das ist ja riesig.“
Das Werk, das die gebürtige Slowenin in Folge eigens für Wien entwickelt hat, ist einerseits typisch für ihre Arbeit, die oft mit Natur zu tun hat und damit, wie der Mensch in ihr präsent ist. Gleichzeitig zeigen ihre Fotoarbeiten oft Close-Ups, und das, findet Bucan, hätte in diesem Fall nicht gepasst, „das hätte die Menschen in dieser Größe womöglich verschreckt.“ Man müsse die Relationen bedenken: Dass hier ein „kleines“ Publikum vor einem doch ziemlich riesigen Kunstwerk stehe, und das nicht immer aus freien Stücken. „Bei so einer Arbeit geht es nicht um das eigene Ego, sondern darum, mit einer Stadt zu kommunizieren.“
So machte sich Bucan in ihrem Archiv auf die Suche nach einem Landschaftsbild, und wurde in der Aufnahme aus dem australischen Victoria fündig. Gebrochen wird die ruhige, introspektive Strandszenerie durch Formen, die über die Menschen hereinzubrechen scheinen. Es könnten Wolken sein, Berge oder Eisberge aus der nahen, schmelzenden Antarktis. Hätte sie mehr Zeit gehabt, sagt Bucan, hätte sie ein ähnliches Bild in Österreichs Bergen fotografiert, um noch mehr Nähe herzustellen.
Papier als Medium
In ihrer inszenierten Fotografie arbeitet Bucan stets mit eigenen Dokumentarfotos, denen sie eine neue, zweite Ebene hinzufügt, hin zu einer Art „fiktionalen Realität“. Oft wird dabei das Fotopapier zum Medium: Etwa wenn auf Fotos von Pflanzen Hände von hinten durchs Papier in die Szenerie durchbrechen und sprichwörtlich in die Natur eingreifen. Das Endergebnis ist dann stets wieder ein Foto.