Pizzicato

Auf ex

Emmanuel Macron leerte eine Bierflasche in 17 Sekunden. Das gefiel nicht allen.

Was in der Kabine passiert, bleibt in der Kabine: Der Spruch aus der Sportwelt ist längst passé – nicht erst, seit Spieler Jubelposen und Bierduschen posten und Komplotte gegen ihre Trainer via Doppelpass den Zeitungen zuspielen. Seit Helmut Kohl, Angela Merkel und Co. sich im Glanz der Sieger sonnten und mit ihnen vor dem Duschgang fraternisieren, sind die Schleusen offen.

Es ist ja immer pseudokumpelhaft und anbiedernd, wenn sich Staats- und Regierungschefs im feinen Zwirn und Kostüm, mit Krawatte und Perlenkette sich an die verschwitzten, halb nackten Leiber ranschmeißen, denen das Testosteron aus den Poren trieft.

Emmanuel Macron begab sich neulich im Stade de France in die „Höhle der Löwen“, in die Kabine des Rugby-Teams von Toulouse. Rugby gilt als Testosteron-Teamsport schlechthin. Auf Zuruf trank Frankreichs Präsident leutselig eine Bierflasche der Marke Corona, des Lieblingsbiers Jacques Chiracs, auf ex – in stolzen 17 Sekunden. Eine Grün-Politikerin echauffierte sich sogleich über „toxische Männlichkeit“, Moralapostel waren entrüstet über Monsieur le Président. Und manche Wein-Connaisseure gaben sich indigniert über den Fauxpas des obersten Weinbotschafters des Landes. Ruhig Blut: Zu Giorgia Melonis Visite im Élysée kredenzte Macron standesgemäß Champagner und Rotwein.

Reaktionen an: thomas.vieregge@diepresse.com

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