Replik

Das ÖOC gehört nicht euch!

Einige Klarstellungen zu Behauptungen rund um das Österreichische Olympische Comité im Gastkommentar von Ernst Wolner – und ein Appell an die altgedienten und nicht mehr zur Wahl stehenden Funktionäre.

Der Gastkommentar von Professor Ernst Wolner („Die Presse“, 14. Juni) bedarf in vielen Punkten einer Klarstellung zur Aufklärung für die Öffentlichkeit. Er vermeint, dass die jetzigen Streitigkeiten im Österreichischen Olympischen Comité die Folge der Erosion der politischen Systeme seien. Weiters hat er die These aufgestellt, dass das ÖOC neben der Vertretung im IOC ein Reisebüro auf höchstem Niveau sei. Überdies sei es schwer zu verstehen, dass plötzlich Präsidenten (Basketball und Schwimmen) zum Zug kommen sollen, die noch vor Kurzem (Anmerkung – vor mehr als zehn Jahren!) durch Unregelmäßigkeiten und Streitereien belastet waren – oder deren Sportler von einer Qualifikation für Olympia so weit entfernt seien wie Dschibuti von Wien.

Diese Auseinandersetzung resultiert nicht aus der Parteienpolitik, wobei es leider noch einige Funktionäre und Beteiligte im Sport und auch ÖOC mit diesem Kastendenken gibt.

Das einzige Ziel: die Förderung des Sports

Das oberste Ziel des ÖOC ist gemäß § 2 lit a. der Statuten (und noch vor der Reisebürotätigkeit) die Förderung des Sports in Österreich. Entweder ist den von Wolner zitierten „altgedienten Vorstandsmitgliedern“ die Reise(büro)tätigkeit das Wichtigste oder sie kennen die Aufgaben des ÖOC nicht!

Wir streben eine Änderung des ÖOC hin zu modernen Strukturen an, die dem 21. Jahrhundert entsprechen, und wollen in Folge dem rasanten Wandel der Zeit entgegentreten. Bei mir als Präsidenten (und Vizepräsidenten des europäischen Schwimmverbandes LEN) sieht er das Problem der vor meiner Zeit im Schwimmverband erfolgten Malversationen und Streitigkeiten. Interessanterweise ereigneten sich diese zur gleichen Zeit, als beim ÖOC das System Jungwirth aufflog und es da wie dort strafrechtliche Verurteilungen für die Täter gab! Der Schwimmverband wurde während meiner Amtszeit mit einem Sparkurs und der Hilfe der Mitgliedsvereine finanziell konsolidiert. Die Probleme wurden gnadenlos aufgearbeitet. Der Schwimmverband ist ein modern geführter Verband sowie ein Partner mit Handschlagqualität. Und das Wichtigste – die Athleten des Schwimmverbandes sind erfolgreich und der OSV stellt seit vielen Spielen die meisten Teilnehmer!

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Hinsichtlich Basketball übersieht Wolner einerseits, dass Basketball mit 3 x 3 realistische Chancen hat, sich für Paris 2024 zu qualifizieren und andererseits, dass mit Hockey (noch nie) und Fußball (seit 1936) zwei Verbände im ÖOC-Vorstand vertreten sind, die die Entfernung von Dschibuti nach Wien (Olympiaqualifikation) nicht meistern konnten. Sind hier manche gleicher?

Der Vorstand hat nach der rechtswidrigen Enthebung des Wahlausschusses nun doch der Wahl am 3. Juli in der außerordentlichen Hauptversammlung zugestimmt und weitere mögliche juristische Winkelzüge im Vorfeld nicht getroffen. Ich hoffe, dass Präsident Stoss seine Nominierung und die des Vorstandes unterstützt. Wir reichen in diesem Fall selbstverständlich die Hand, um den Sport und seine Athleten wieder in den Mittelpunkt zu stellen.

Zuletzt noch ein Appell an die altgedienten und nicht mehr zur Wahl stehenden Funktionäre (die zum Teil seit Jahrzehnten im Sport und im ÖOC vertreten sind): Lasst los und geht ehrenvoll! Das ÖOC gehört nicht euch, gebt dem ÖOC die Chance, den notwendigen Wandel zu beginnen. Uns sind Brötchen, Drinks und Events völlig unwichtig. Wir wollen uns vom klassischen Funktionärsbild in der Bevölkerung lösen. Unser Ziel ist es zu arbeiten; wir sehen uns als Vorstandsmitglieder nicht in einer Wohlfühlzone.

E-Mails an: debatte@diepresse.com

Zum Autor

Arno Pajek, selbständiger Rechtsanwalt in Wien, von 2014 bis 2016 Rechtsreferent beim Öst. Schwimmverband; seit 2016 bis dato Präsident des Öst. Schwimmverbandes; seit 2022 Vizepräsident des Europäischen Schwimmverbandes (LEN).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.06.2023)

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