Der US-Chiphersteller Intel braucht Geld - und holt sich das zum Teil nun in Österreich

Intel-Chef Pat Gelsinger.
Intel-Chef Pat Gelsinger.Imago
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Intel baut seinen Konzern um und investiert gerade Dutzende Milliarden in Deutschland, Polen und Israel. Um das - unabhängig von allen staatlichen Förderungen - zu stemmen braucht der Konzern Geld. Und verkauft nun einen Teil an einem österreichischen Halbleiterspezialisten. Und lukriert knapp 800 Millionen Euro.

Der US-Chiphersteller befindet sich in einem Prozess des Umbaus hin zu einem Auftragsfertiger, der künftig mit den Weltmarktführern Samsung oder Taiwan Semiconductor konkurriert. Das Vorhaben verschlingt Dutzende Milliarden Dollar und nimmt immer mehr Gestalt an. So investiert er mehr als 30 Milliarden Euro in ein Werk in Magdeburg, wo langfristig 3000 Arbeitsplätze entstehen sollten - und bekommt dafür von Deutschland staatliche Gelder in Höhe von bis zu 9,9 Milliarden, wie diese Woche bekannt wurde. In Polen investiert er 4,6 Milliarden Dollar in eine Chipverpackungs- und Testanlage. Und in Israel baut er eine neue Chipfabrik für 25 Milliarden Dollar, wie am Wochenende bekannt wurde - die größte jemals aus dem Ausland getätigte Investition in Israel.

Die staatlichen Förderungen sitzen locker, schließlich wollen westliche Staaten wieder stärker auf dem globalen Halbleitermarkt mitmischen und die Abhängigkeit von Ostasien verringern. Zum Teil freilich muss der Intel-Konzern selbst, der eine Nettoverschuldung von 21,3 Milliarden Dollar hat, danach trachten, sich für die Investitionen Kapital zu besorgen. So wurde im Vorjahr ein Teil der Automotive-Tochter Mobileye verkauft und an die Börse gebracht.

Verkauf in Österreich

Und nun wird auch eine frühere Investition in Österreich zu Geld gemacht. Wie am Mittwoch bekannt wurde, hat sich Intel mit Bain Capital auf den Verkauf eines Minderheitsanteils an der österreichischen IMS Nanofabrication mit Sitz in Brunn am Gebirge geeinigt. Der Anteil betrage 20 Prozent an der mit rund 4,3 Milliarden Dollar bewerteten niederösterreichischen Firma, teilte Intel am Mittwoch mit. 2015 wurde IMS zur Gänze von Intel übernommen. Laut Reuters-Berechnung dürfte der Deal einen Wert von rund 860 Millionen Dollar (knapp 787 Mio. Euro) haben.

„Angesichts der Höhe der Bewertung und der getätigten Investitionen wird dies eine der besten Akquisitionen sein, die wir je getätigt haben“, sagte Intel-Finanzvorstand David Zinsner am Mittwoch.

IMS stellt Geräte zur Produktion von Halbleitern her. Seit der Übernahme habe IMS eine beträchtliche Kapitalrendite für Intel erwirtschaftet und gleichzeitig seine Belegschaft und Produktionskapazität vervierfacht.

Der Umsatz lag 2021 laut FirmenCompass bei 362,73 Mio. Euro. Die Mitarbeiterzahl betrug damals 421, voriges Jahr im März waren es schon mehr als 500 Beschäftigte. Niederlassungen gibt es in Taiwan, Korea und den USA. Gegründet worden war die Firma 1985 mit Venture Capital in Wien.

„IMS ist ein multidisziplinäres Hightech-Unternehmen, das im Nanobereich arbeitet und auf Innovationen in der Elektronenstrahl-Lithographie spezialisiert ist“, heißt es auf der Unternehmenshomepage. „Unsere Multistrahltechnologie ist der Schlüssel für die Weiterentwicklung in der Halbleiterindustrie“, wird dort IMS-CEO Elmar Platzgummer zitiert. (Reuters/est)

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