Ukraine-Krieg

Wolfgang Ischinger: „Russland darf nicht zerfallen“

Wolfgang Ischinger ist Präsident des Stiftungsrates der Münchner Sicherheitskonferenz
Wolfgang Ischinger ist Präsident des Stiftungsrates der Münchner Sicherheitskonferenz(c) imago/Jürgen Heinrich
  • Drucken

Der Präsident des Stiftungsrates der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, warnt vor einem Zerfall Russlands und rechnet mit keinem Ende des Ukraine-Krieges in absehbarer Zukunft.

Eine interner Konflikt in Russland wie er sich derzeit in dramatischer Weise abzeichnet, berge enorme geopolitische Risiken, konstatierte Wolfgang Ischinger am Rande des KitzSummit im Gespräch mit der „Presse“. Der Präsident des Stiftungsrates der Münchner Sicherheitskonferenz sagte dies am Freitag wenige Stunden vor der Eskalation des Konfliktes zwischen dem Chef der Söldnertruppe Wagner, Jewgeni Prigoschin, und Russlands Präsidenten Wladimir Putin. Ischinger erinnerte an den Zerfall der Sowjetunion. Auch damals ging es um die Frage, ob das riesige Atomwaffenarsenal dann unter einer Vielzahl an Nachfolgestaaten aufgeteilt werde. Dies gelte nach wie vor. „Russland darf nicht zerfallen“, sagte Ischinger.

Ischinger verwies im Gespräch mit dem früheren deutschen Verteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg auch auf die wirtschaftliche Komponente des Krieges. Das flächenmäßig größte Land der Welt verfüge über eine Wirtschaftskraft, die kleiner sei als jene Italiens. „Wenn es sein muss“, so Ischinger, könnte die USA Russland neuerlich „totrüsten“. Die Geschichte könnte sich also in gewisser Weise wiederholen. Die Sowjetunion zerbrach unter anderem auch am vom damaligen US-Präsidenten Ronald Reagan forcierten Rüstungs-Wettkampf.

Entscheidend, „wer in Washington das Zepter übernimmt“

Ein Ende des Konflikts sieht der Sicherheitsexperte in weiter Ferne. Hier müsse man von einem Worst-Case ausgehen. Der Krieg werde „wahrscheinlich weit ins nächste Jahr“ anhalten, sagte Ischinger bei der Konferenz in den Tiroler Bergen. Nicht zuletzt das Rennen um die kommende US-Präsidentschaft werde das Schicksal der Ukraine entscheidend mitbestimmen. Es sei anzunehmen, dass Puten den Krieg so lange weiter betreiben wird, bis Klarheit darüber herrsche, „wer in Washington das Zepter übernimmt“. Eine Rückkehr Donald Trumps ins Weiße Haus würde die Situation möglicherweise völlig auf den Kopf stellen.

In der aktuellen geopolitischen Lage sei Amerika für Europa ein „noch wichtigerer Partner als vor 20 Jahren“. „Amerika ist der Partner, den wir brauchen“, betonte Wolfgang Ischinger. Er sprach sich auch für eine Europäische Sicherheitsdoktrin aus. Ging es in der EU in den vergangenen Jahrzehnten vor allem darum, „Frieden unter uns“ zu schaffen, so brauche es nun „ein Europa, das schützt“, wie es Frankreichs Präsident Emmanuel Macron formuliert hatte.

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.