Extravagant

Der Schneider des Papstes

Filippo Sorcinelli kleidete schon zwei Päpste ein. Auf Instagram zeigt er sich von seiner weltlichen Seite.
Filippo Sorcinelli kleidete schon zwei Päpste ein. Auf Instagram zeigt er sich von seiner weltlichen Seite. beigestellt
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Der 47-jährige Filippo Sorcinelli, der schon zwei Päpste einkleidete, zeigt sich auf Instagram mit Tattoos und nacktem Oberkörper von seiner weltlichen Seite. Probleme habe die geistliche Welt damit nicht.

Schon einmal darüber nachgedacht, wer den Papst einkleidet? Wahrscheinlich eher nicht, schließlich ist das Outfit des Oberhauptes der römisch-katholischen Kirche - wenn man seine Aufgaben im Großen und Ganzen betrachtet - eher Nebensache. Weniger im Hintergrund hält sich jedoch der Schneider des Papstes, der einen extrovertierten Instagram-Auftritt pflegt. Dabei fällt auf: Den Schneider des Papstes hätte man sich wohl doch anders vorgestellt.

Filippo Sorcinelli zeigt sich oftmals oberkörperfrei, dabei werden Tattoos und Muskeln präsentiert, immer wieder wird er als „Hipster-Schneider“ bezeichnet. Seine Außenwirkung, die „fast als visuelle und kommunikative Gewalt interpretiert“ werden kann, wie der 47-Jährige selbst zugibt - sei für die geistliche Welt jedoch kein Problem. „Die größten Schwierigkeiten hatte ich damit im säkularen Umfeld.“

Sorcinelli kam auf Umwegen zu seiner Karriere, eigentlich kam er nach Rom um am Päpstlichen Institut für Kirchenmusik Orgel zu studieren. Als ihn ein Freund bat, sein Gewand für die Priesterweihe zu entwerfen, stellte er sich dieser Herausforderung mit seiner Tante, einer Schneiderin. Schnell wurden auch andere Kirchenmänner auf das Talent Sorcinellis Aufmerksam.

„Es hat sich alles ganz organisch ergeben, ohne Forcierung. Ich habe begonnen, liturgische Kleidung mit starker kommunikativer Kraft und Detailverliebtheit zu designen und zu produzieren. Das war sozusagen mein ‚Erfolgsgeheimnis‘, so einen prestigeträchtigen Vertrag zu bekommen“, erinnert er sich. 2008 fertigte er sein erstes Gewand für Papst Benedikt an, seit 2013 entwirft er auch in unregelmäßigen Abständen für Papst Franziskus Kleidung.

Respekt vor dem Glauben und der Liturgie

Inspirieren lässt er sich dabei vom Mittelalter. „Alles entsteht aus der geometrischen Strenge der Muster und Ornamente. Natürlich mit Blick auf eine zeitgemäße Technik“, erklärt er weiter. Der wichtigste und wahrscheinlich auch schwierigste Teil dabei: „Ich denke es ist Respekt. Respekt vor dem Menschen, den Priester und Respekt vor dem Glauben und der Liturgie.“ Das schränkt ihn in seiner Arbeit jedoch nicht ein. „Ich bin ein Künstler, und Künstler müssen sich frei fühlen“, bekräftigt er.

Bereites 2001 gründete Sorcinelli sein Unternehmen Lavs (lateinisch für Lob) und stellt nicht nur Messgewändern, sondern auch Abzeichen, Taschen und Kopfbedeckungen her. Kunden können sich im Shop von den Ausstellungsstücken die gewünschten Gewänder aussuchen, danach werden sie mit den gewünschten Verzierungen, Symbolen und Farben sowie in der richtigen Größe hergestellt.

Seit 2013 hat er auch Parfums in Angebot, denn er wollte die Pakete, in denen die kirchlichen Gewänder verschickt wurden, mit einem Duft versehen. Bestseller ist - wenig verwunderlich - nach wie die Kollektion mit Weihrauchdüften.


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