Leitartikel

Hohe Inflation bekämpft man nicht mit niedrigen Leistungsanreizen

Das Vertrauen in die Energieversorger ist stark gesunken.
Das Vertrauen in die Energieversorger ist stark gesunken. Herbert Pfarrhofer
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Die Geldentwertung frisst das Ersparte auf. Umso mehr braucht es nun die Zuversicht, dass es auch künftig möglich sein wird, Wohlstand aufzubauen.

So etwas haben die heimischen Stromversorger auch noch nicht erlebt. Als vor wenigen Tagen die Meinungsforscher von OGM ihren Vertrauensindex publizierten, rieb man sich bei Verbund, EVN und Co. die Augen. Weniger Vertrauen als sie genießen in der Bevölkerung nur noch Immobilienmakler und Wettspielanbieter. Man sei im „Schurkenviertel“ angekommen, hieß es höhnisch bei einem Landesenergieversorger. Die Branche kämpft um ihr ramponiertes Image und sucht die Schuld dafür nicht bei sich selbst, sondern bei der Regierung.

Als die Energieversorger im Mai Preissenkungen ankündigten, ging Bundeskanzler Karl Nehammer an die Öffentlichkeit und betonte, dass dies nur aufgrund des Drucks der Regierung geschehen sei. „Die Maßnahmen der Bundesregierung wirken“, betonte er.

Für die Energiewirtschaft war diese Aussage wie ein Stromschlag. Denn tatsächlich sind es die mittlerweile stark gesunkenen Preise an der Strombörse, die nun auch – langsam aber doch – zu niedrigeren Tarifen führen. Wäre ja noch schöner, sollten börsenotierte Unternehmen, auch wenn sie mehrheitlich in staatlicher Hand sind, dem Druck einer Regierung nachgeben müssen. Alleine schon der Umstand, dass der Chef einer angeblich wirtschaftsliberalen Partei von Druck auf Unternehmen spricht, sollte bei jenen, die sich noch nicht dem Marxismus verschrieben haben, alle Alarmglocken läuten lassen. Die Politik hat nicht Druck auf Unternehmen auszuüben, sondern ordentliche Rahmenbedingungen zu schaffen.

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