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Papstanwärter von Christoph Schönborn bis Angelo Scola

(c) AP (PIER PAOLO CITO)
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Wer wird neuer Pontifex? Starke Anwärter auf das Amt kommen aus Lateinamerika, wo viele Katholiken leben. Doch auch Europa – vor allem Italien und Österreich – hat einige Kandidaten zu bieten.

Wien/Rom/Ag. somWien/Rom/Ag. Es ist kein üblicher Urnengang: Bei dieser Wahl gibt es keine offiziellen Kandidaten, keinen Wahlkampf, keine offiziellen Unterstützungskomitees, weder Wahlversprechen noch Wahlgeschenke. Vermutlich ist es gerade diese undurchsichtige Situation bei der Papstwahl, die die Gerüchteküche um mögliche Nachfolger befeuert. Und sogar in den Wettbüros zu Buche schlägt: Laut britischen Buchmachern haben außereuropäische Kandidaten dieses Mal gute Chancen.

Ein Papst, der nicht aus Europa stammt: Nicht nur in den Wettbüros ist zu hören, dass die Zeit reif ist für einen Kandidaten, der nicht aus der Alten Welt kommt. Vor allem Lateinamerika kommt dabei immer wieder zur Sprache, schließlich leben dort 42Prozent der weltweit 1,2 Milliarden Katholiken. „Ich kenne viele Bischöfe und Kardinäle aus Lateinamerika, die die Verantwortung für die Weltkirche übernehmen könnten“, sagte der deutsche Erzbischof Gerhard Müller kurz vor Weihnachten.

 

Lateinamerikanische Anwärter...

Ein möglicher Kandidat aus Lateinamerika ist etwa Oscar Andres Rodriguez Maradiaga (70), der aus Honduras stammt. Er ist Salesianer und wurde bisweilen als aufgehender Stern der lateinamerikanischen Kirche gefeiert. Maradiaga studierte unter anderem Psychotherapie in Innsbruck, ist ein begeisterter Musiker und gilt als offen in ökumenischen Fragen. Auch Odilo Pedro Scherer (63) aus Brasilien gilt als Hoffnungsträger. Der Erzbischof von São Paulo zählt in seiner Heimat zu den Konservativen.

Ein starker Kandidat aus Afrika ist der Vorsitzende der Bischofskonferenz in Ghana, Peter Kodwo Appiah Turkson (64). Er gehört mehreren vatikanischen Kommissionen an und setzt sich in seiner Heimat für Entwicklungspolitik und Umweltschutz ein. Er gilt als das „soziale Gewissen“ der Kirche, sorgte mit der Vorführung eines islamkritischen Videos bei einer Synode aber auch für Verstimmung. Und dann gibt es einen Neuzugang, den erst im Oktober vergangenen Jahres zum Kardinal beförderten, charismatischen Erzbischof der philippinischen Hauptstadt Manila, Luis Antonio Tagle. Als Jahrgang 1957 ist er der Jüngste im Kreis.

Weiters werden dem Kanadier Marc Oullett (69), Leiter der Bischofskongregation, gute Chancen auf das Amt des Pontifex ausgerechnet. Als weiterer starker Kandidat gilt der New Yorker Erzbischof Timothy Dolan. Seine Familie hat irische Wurzeln, und er ist seit 2010 Vorsitzender der amerikanischen Bischofskonferenz. Er hat sich gegen die Homo-Ehe ausgesprochen; schwule Männer im Priesteramt lehnt er ab. Möglicher Minuspunkt: seine „kumpelhafte“ Art. Und, möglicherweise entscheidender: Einen Pontifex aus einer Supermacht lehnen manche Kardinäle der Wahlversammlung ab.

 

...und die europäische Konkurrenz

Neben den Kandidaten aus Übersee ist die europäische Konkurrenz nicht weit: Insbesondere der Wiener Erzbischof, Christoph Schönborn, wurde schon bei der letzten Papstwahl 2005 als möglicher Anwärter auf das Amt gehandelt. Er gilt weiterhin als starker Kandidat. Schönborn hat sich nach dem Missbrauchsskandal rund um Kardinal Hans Hermann Groër in der österreichischen Kirche den Ruf eines Krisenmanagers erarbeitet. Innerhalb des Vatikans hat er sich als Redakteur für den katholischen Katechismus einen Namen gemacht.

Einige Anwärter auf das Papst-Amt kommen auch aus dem traditionellen Herkunftsland des Pontifex. Die Italiener, denen 35 Jahre „fremder“ Päpste mittlerweile als zu lang erscheinen, setzen auf den Mailänder Erzbischof Angelo Scola. Der 71-jährige Moraltheologe und Philosoph leitet seit 1995 die Lateran-Universität und das Päpstliche Institut für Ehe- und Familienstudien. Seit 2003 ist er ein Mitglied des Kardinalskollegiums. Neben Scola gute Chancen hat auch Angelo Bagnasco (70), Präsident der italienischen Bischofskonferenz. Erst im März 2012 wurde er vom Papst für weitere fünf Jahre in seiner Position bestätigt.

Von den Bischöfen, die Benedikt XVI. selbst in den Vatikan berufen hat, galt der Leiter der Liturgie-Kongregation, der Spanier Antonio Cañizares Llovera, wegen seiner theologischen Qualitäten lange Zeit gar als „kleiner Ratzinger“; sein Stern ist seither aber offenbar am Sinken.

Ein anderer Name, der derzeit immer wieder zu hören ist, lautet Peter Erdö. Der 60-jährige Ungar ist seit 2003 Erzbischof von Esztergom-Budapest; damit ist er auch Primas des Landes. Im Jahr 2006 wurde er zum Präsidenten des Rats der Europäischen Bischofskonferenzen bestellt.

 

Wetten auch über neuen Papstnamen

Wie auch immer: Das Konklave, wohl Mitte März, wird lange dauern – weil es nach 35 Jahren die Gesamtära Johannes Pauls II. und Benedikts XVI. abschließt und über den künftigen Kurs der gesamten katholischen Kirche entscheiden muss; und das immer noch, in allernächster Nähe zu einem trotz aller Erschöpfungsbekundungen hellwachen, weiterlebenden Papst.

Neben den Wetten auf den Amtsanwärter wird derzeit übrigens auch Geld auf den Namen des nächsten Papstes gesetzt: Besonders gute Chancen haben laut Einschätzung der Buchmacher demnach Peter, Pius, Johannes Paul und – Benedikt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.02.2013)