Eishockey: „Córdoba auf Eis“ und seine Folgen

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Die Olympiaqualifikation soll dem Nationalteam neues Ansehen bei Politik und Sponsoren geben. In Sotschi wartet Titelverteidiger Kanada.

Bietigheim/Wien. Die Zeiten hätten sich geändert, sagt Giuseppe Mion, der Manager des Eishockeyteams. Vor ein paar Jahren wäre ein Erfolg gegen Deutschland oder die am Sonntag in Bietigheim geschaffte Olympiaqualifikation noch ausgiebig begossen worden. Doch in der Gegenwart gibt es im ÖEHV-Team keinen Spielraum für die Pflege kultivierter Trinkgewohnheiten. Nach dem errungenen Punkt bei der 2:3-Niederlage nach Verlängerung gegen Deutschland und der ersten Qualifikation für Winterspiele seit Salt Lake City 2002 gab es „maximal zwei, drei Bier in der Hotellobby“, erklärt Mion. „Wir haben nur ein Ziel: Erfolg – ohne Mätzchen.“

Die neu verkörperte Geschlossenheit ist dem Einsatz von Teamchef Manny Viveiros zu verdanken. Als ehemaliger Teamspieler und langjähriger Ligatrainer weiß der 47-Jährige um das Geschehen nach der Schlusssirene Bescheid.

Viveiros hauchte einer nach dem erneuten Abstieg am Boden liegenden Mannschaft 2012 neuen Elan ein. Seine Leistung ist an ihren Erfolgen messbar: Rückkehr in die Weltelite, Start bei der A-WM in Finnland (ab 1. Mai) und das Erreichen der Winterspiele 2014. Die Gegner in Sotschi sind auch sein Lohn: Titelverteidiger Kanada, Finnland und Norwegen.

Peintner: VSV statt AMS

Für Österreichs Eishockey bedeute das einen „enorm wichtigen Impuls“, sagt Mion. Der nach vielen Misserfolgen erste große „positive Auftritt“ wird bei Politik und Sponsoren gesondert Eindruck machen. Österreich scheine wieder auf der Eishockey-Weltkarte auf, das A-Team verdiene Respekt. „Córdoba auf Eis“ machte es möglich.

Auch die Lebensgeschichte des erlösenden Torschützen Markus Peintner erzählt einen Wandel, der im Spitzensport eine Seltenheit ist. Der 32-jährige VSV-Spieler, der oft durch bunt gefärbte Haare und seinen langen Bart auffällt, war vor 14 Monaten noch arbeitslos...

Mit Linz, Wien und dem VSV wurde er Meister, seine Künste als Stürmer waren gefragt, doch nach dem Vertragsende in Graz stand er auf der Straße. „Es war schlimm“, sagt Peintner, „dass ich keinen Verein fand. Andererseits sieht man, wie schnell es im Sport gehen kann.“ Beim VSV fasste er nach Tests Fuß, spielt nun laut Mion eine „tolle Saison“ und wurde darob von Viveiros nachnominiert. Auch der zweite Torschütze, André Lakos, feierte eine emotionale Rückkehr – er hatte vier Jahre lang nicht im Team gespielt. Viveiros: „Ich bin stolz auf mein Team.“

In Amerika wurde Österreichs Erfolg ebenfalls wahrgenommen, ob aber Thomas Vanek, Andreas Nödl und Michael Grabner auch bei den Winterspielen mitwirken können, bleibt abzuwarten. Es obliegt der National Hockey League, ob sie zum fünften Mal für die fünf Ringe im Februar 2014 ihren Spielbetrieb unterbrechen wird.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.02.2013)

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