Lokalaugenschein

Papst Franziskus und die Geburtswehen einer „neuen“ Kirche

Die Kurie und die Weltkirche zünden entscheidende Phase des Franziskus-Pontifikats. Die Synode steht vor Grundsatzentscheidungen.

Diese Bilder – seitlich, oben und vor allem ganz vorne! Das Jüngste Gericht Michelangelos zieht wie ein Sog alle Blicke auf sich. Und Kardinal Christoph Schönborn nach vorne. Langsam geht er zum ersten Mal seit dem denkwürdigen 13. März 2013 in Richtung des Altars, des Kreuzes und der Darstellung des Weltenrichters, in der vor ihm menschenleeren von Stille erfüllten Sixtinischen Kapelle. Jenes vergleichsweise unscheinbaren Altars, auf dem er seinen Stimmzettel im Konklave abgegeben hat.

Er verharrt dort dann stehend für einen längeren Augenblick. Ein Moment, wie er bei Pressereisen eher selten zu erleben ist. Hinter dem Kardinal knapp mehr als ein Dutzend österreichische Journalisten, die Montag bis Mittwoch auf einer Art Fact-finding-Mission im Vatikan unterwegs sind. Mit einem wohl gelaunten, auskunftsfreudigen und trotz der Hitze und eines dichten Programms auch treppauf treppab sehr fit wirkenden Christoph Schönborn. Er ist Begleiter und Türöffner, selbst in dem von Schweizer Gardisten bewachten Apostolischen Palast, die vor dem Kardinal aus Wien ausnahmslos aufsalutieren. Christoph Schönborn ist hier, im Zentrum der Weltkirche, alles andere als ein Unbekannter. Die Stille in den Prunkräumen des Vatikans ist durchaus trügerisch. Das Pontifikat von Papst Franziskus tritt soeben in eine entscheidende Phase, wahrscheinlich in die entscheidende Phase. Im elften Jahr seiner Amtszeit nimmt „Papa Bergoglio“, wie er in Rom außerhalb des Vatikans gerne genannt wird, seinen Kampf gegen Bremser von Reformen nun endgültig auf. Er setzt alles daran, um „seiner“ Kirche einen Öffnungsschub zu verpassen. Das erst vor wenigen Tagen veröffentlichte Arbeitspapier zur Bischofsynode im Oktober ist gespickt mit Fragen, mit Fragen, die so vom Vatikan noch nie öffentlich gestellt wurden – auch zu mehr Mitbeteiligung von Frauen, zur Weihe von Diakoninnen, zum Ende einer Ausgrenzung der LGTB-Community oder in Ausnahmefällen zur Priesterweihe für verheiratete Männer. Darüber will Papst Franziskus im Herbst in der Audienzhalle direkt neben dem Petersdom nachdenken, beten und diskutieren lassen.

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.