Menschen werden von Emotionen nicht getrieben, sondern erzeugen sie gezielt: Wie Lisa Feldman Barrett das herausgefunden hat, erklärt sie in ihrem Buch „Wie Gefühle entstehen“. Aber was folgt daraus?
Als Lisa Feldman Barrett studierte, überredete sie einmal ein Kommilitone, mit ihr auszugehen. Während sie beim Drink saßen, wurde ihr heiß, sie errötete, ihr Magen kribbelte, und sie konnte sich nicht mehr konzentrieren. Sie fühlte: Ich bin dabei, mich zu verlieben. Sie versprach dem Verehrer ein zweites Date, ging nach Hause – und kotzte. Sie hatte nämlich Grippe, mit Fieber . . .
Diese Geschichte erzählt Barrett zusammen mit einer Studie aus Israel: Richter fällen kurz vor der Mittagspause strengere Urteile, weil sie das unangenehme Gefühl aufkeimenden Hungers als Misstrauen gegenüber dem Angeklagten deuten. Diese Studie wirkt wie einer der vielen so modischen wie trostlosen Versuche, den Menschen kleinzumachen: Vergesst eure Illusion von Vernunft und Gerechtigkeit, nur das Knurren im Magen treibt euch an! Aber Barrett zieht daraus ganz andere, faszinierende Schlüsse.