Österreichische Geschichte

Die „Brecherweiber“ vom Erzberg

Klauberinnen in der Klaubanlage Nr. 9; Abschiedsfoto für eine Klauberin, die wegen ihrer neuen Liebe nach England ging
Klauberinnen in der Klaubanlage Nr. 9; Abschiedsfoto für eine Klauberin, die wegen ihrer neuen Liebe nach England gingPrivatbesitz Emilie Goldgruber
  • Drucken

Händisch sortierten Frauen einst das Erz aus. Eine Ausstellung in Graz zeigt Leben und Arbeit dieser sogenannten Klauberinnen und holt damit ein wenig beachtetes Kapitel der steirischen Industriegeschichte vor den Vorhang. 

Brecherweiber wurden sie genannt, oder Klauberinnen: Mehr als vier Jahrzehnte lang sortierten Frauen händisch das wertvolle Erz vom steirischen Erzberg aus wertlosem tauben Gestein heraus. Ab Donnerstag widmet sich eine Ausstellung im Museum für Geschichte in Graz dem Leben dieser Arbeiterinnen. Ein Teil der Schau „Wir Klauberinnen“ wurde bereits 2021/2022 in Eisenerz im Rahmen der eisenerZ*Art gezeigt. Nun wurde die Schau für die Hofgalerie in Graz adaptiert.

Die Klauberinnen waren bisher ein wenig beachtetes Kapitel der steirischen Industriegeschichte: Sie sortierten an Förderbändern und an Klaubtischen der Aufbereitungsanlagen am Erzberg den gewonnenen Verhau in Erz und taubes Gestein. Bis zu 500 Frauen waren Schätzungen zufolge am Erzberg beschäftigt, die in zwei Schichten von Montag bis Samstag arbeiteten. Staub, Kälte und Nässe begleitete den harten Arbeitsalltag. Mit Originalaufnahmen und Zitaten in Dialekt von zehn unterschiedlichen Klauberinnen ist die Schau nah an den Frauen und vermittelt einen Einblick in deren Leben.

„Frauen sind allgegenwärtig im Bergbau“

Der Ausgangspunkt die Ausstellung war für Kuratorin Karin Hojak-Talaber ein einziges Bild und Erzählungen ihrer Großmutter, die selbst als Klauberin am Erzberg gearbeitet hat. „Außerhalb von Eisenerz fängt man wenig damit an, aber Frauen sind allgegenwärtig im Bergbau“, sagte sie am Mittwoch bei einer Presseführung. Sie zitierte, was sie bei der Ausstellung in der Obersteiermark von einer Besucherin hörte: „Eine Frau sagte zur mir: Von den Männern (im Bergbau, Anm.) weiß man eh so viel, aber über die Frauen gar nix.“

Sie hat für die Ausstellung und ein dazugehöriges Buch die letzten noch lebenden Klauberinnen ausfindig gemacht und ihre Erinnerungen zusammengefasst. Damit werden nun drei Räume bespielt: Einer über die Zahlen, Daten und technischen Hintergründe, einer über den Arbeitsalltag der Frauen, die meist Kopftücher trugen, und einer über die Partizipation in Eisenerz.

Mit Werkzeugen wie diesem arbeiteten die Klauberinnen
Mit Werkzeugen wie diesem arbeiteten die KlauberinnenUniversalmuseum Joanneum/J.J. Kucek

In Eisenerz waren Besucherinnen und Besucher eingeladen, Bekannte, die sie wiedererkannten, auf den Fotos zu benennen. Außerdem kamen neue Fotodokumente und Erinnerungsstücke aus der Zeit der Klauberinnen von 1912 bis 1967 hinzu. Damit wurde die Ausstellung neu aufgesetzt und für das Grazer Publikum ergänzt.

Bettina Habsburg-Lothringen, Leiterin der Abteilung Kulturgeschichte im Universalmuseum Joanneum, will mit der Ausstellung ein Thema aus der Region nach Graz hereinholen, „um sie anderen und einem neuen Publikum“ zugänglich zu machen. (APA/Red.)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.