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Die historische Wurzel der Klimakrise

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1848. Die industrielle Revolution machte die Menschen reicher, war aber auch Startschuss für die Erderhitzung, die uns heute bedroht.

Wer ein Gefühl dafür bekommen will, was knapp zweihundert Jahre Massenproduktion und -konsum mit dem Klima angerichtet haben, muss nur zwei Zahlen kennen: Bis zum Jahr 1848 stieß Österreich 26 Millionen Tonnen Kohlendioxid durch das Verbrennen von fossilen Brennstoffen aus. Seither fast sechs Milliarden.

Dazwischen lag die industrielle Revolution, die vielen Menschen Wohlstand brachte, den Planeten aber das Anthropozän bescherte: jenes Zeitalter, in dem der Homo sapiens zur größten geologischen Gefahr auf Erden wurde. Seine Fabriken, Eisenbahnen und kohlebetriebenen Maschinen trieben die CO2-Konzentration in der Atmosphäre, was die Erwärmung bis heute anschiebt. Im Pariser Klimavertrag von 2015 einigten sich fast alle Staaten darauf, die Temperaturen bis 2100 auf maximal zwei Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau ansteigen zu lassen.

Als Ausgangspunkt dient den Klimaforschern das Jahr 1850, als die Industrialisierung richtig Fahrt aufgenommen hat. Die Frage, wer seither am meisten klimaschädliche Gase ausgestoßen hat – und damit also die Kosten für die Klimakrise zu tragen hat –, war noch bei jeder Klimakonferenz Garant für Unstimmigkeiten.

Dem massiven Ressourcenabbau im Zuge der Industrialisierung lagen „radikale Vorstellungen von der Natur und dem Recht der Menschen, die Umwelt nach eigenem Gutdünken umzugestalten zugrunde“, konstatiert der britische Historiker Peter Frankopan in seinem Werk über die Klimageschichte der Menschheit „Zwischen Erde und Himmel“. Während heute das Verbrennen von Kohle, Erdöl und Erdgas für den Großteil der Emissionen verantwortlich ist, war es damals zunächst der plötzliche Hunger nach Holz westlicher Industrienationen, der die Zahl der Bäume radikal dezimiert und die Erde so um eine natürliche CO2-Senke beraubte. Die Kolonialmächte rodeten Wälder in Brasilien und Indonesien, um Platz für Kautschuk, Tabak und Rinderherden zu schaffen. Von 1850 bis 1920 wurden 152 Millionen Hektar Urwald in Weideland verwandelt, das meiste davon in Afrika und in Südasien.

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