Geldpolitik

Die Zentralbanker kämpfen hart gegen die Inflation - doch dieser Kampf ist zäh

EZB-Chefin Christine Lagarde und dem Chef der US-Notenbank Jerome Powell ist das Lachen noch nicht ganz vergangen. 
EZB-Chefin Christine Lagarde und dem Chef der US-Notenbank Jerome Powell ist das Lachen noch nicht ganz vergangen. EITAN ABRAMOVICH/AFP via Getty Images
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In den USA wird heuer noch zwei Zinserhöhungen geben. Denn die Inflationsraten sind eindeutig noch nicht niedrig genug. Trotz aller Fortschritte, die bisher schon gemacht wurden.

Wien. Für Zentralbanker war es eine vergleichsweise ereignisreiche Woche. Erst trafen die wichtigsten Notenbanker der Welt im portugiesischen Bergdorf Sintra aufeinander und dann ging es für den wichtigsten unter ihnen gleich weiter nach Madrid. US-Notenbankchef Jerome Powell lieferte bei einer Konferenz der Bank von Spanien einen Vorgeschmack darauf, wie es mit der Geldpolitik in seinem Land weitergehen wird: straff. Die meisten Entscheidungsträger innerhalb der Federal Reserve rechnen mit zwei weiteren Zinserhöhungen bis Jahresende, teilte er mit.

Derzeit liegt der Leitzinssatz in den USA in einer Spanne zwischen fünf und 5,25 Prozent. Seit März 2022 hat die Federal Reserve die Zinsen zehn Mal in Folge angehoben. Zuletzt – also vor rund zwei Wochen – legte sie eine Pause ein, um das Tempo etwas „herauszunehmen“ und weitere Daten zu sichten. Wie damals schon angedeutet, wird es aber nur vorläufig bei einer Pause bleiben. Experten sind sich ziemlich sicher, dass die Erhöhungen in den USA schon im Juli weitergehen werden. Sie erwarten eine Anpassung um 25 Basispunkte.

Weit weg von Inflationsziel

Denn auch in den USA gibt es ein großes Problem, dass sich nicht so leicht in den Griff bekommen lässt: Die Inflation ist und bleibt „hartnäckig hoch“ – auch wenn sie im Vergleich zur Eurozone (6,1 Prozent) deutlich niedriger ausfällt. Bisher hat die Fed in ihrem Kampf gegen die Teuerung große Fortschritte erzielt. Immerhin lag die US-Inflationsrate vor einem Jahr noch bei über neun Prozent. Im heurigen Mai ist sie dann auf vier Prozent gesunken. Im April machte der Wert noch 4,9 Prozent aus. So moderat fiel der Preisauftrieb seit mehr als zwei Jahren nicht aus.

Von dem angestrebten zwei Prozent Ziel ist die Zentralbank damit noch immer weit entfernt. „Wir verpflichten uns nicht zu einer bestimmten Anzahl von Zinserhöhungen, sondern zu einer ausreichend restriktiven Politik, um die Inflation zurück zu einem Wert von zwei Prozent zu bringen“, sagt Powell. Zeitpunkt und Ausmaß der Erhöhungen werden von der weiteren Konjunkturentwicklung abhängen, so der Notenbankchef. Die Risken zwischen dem, dass man zu viel oder zu wenig zu tue, würden sich noch nicht in einem Gleichgewicht befinden.

Zwar sehe man in zinssensitiven Bereichen, wie dem Wohnbau und bei Investitionen bereits Auswirkungen der geldpolitischen Straffung, sagt Powell. Bis sich jedoch die volle Wirkung der Geldpolitik entfalte, werde es noch dauern. Die nächste Sitzung des Offenmarktausschusses ist für den 25. und 26. Juli anberaumt.

Dass die Notenbank mit ihren Zinserhöhungen auch eine Rezession in Kauf nimmt, ist ihr durchaus bewusst. Powell hält dies ebenfalls für ein „mögliches“ Szenario, wenn auch nicht für das „wahrscheinlichste.“ Einen Abschwung hält er aber ebenfalls nicht für ausgeschlossen. Die US-Banken könnten eine scharfe Wirtschaftskrise jedenfalls gut meistern, wie ein jüngst veröffentlichter Stresstest ergab. Die Kapitalquote der 23 getesteten Institute war im Schnitt mehr als doppelt so hoch, wie vorgeschrieben. Erst im Frühjahr hatten einige US-Regionalbanken mit ihren Zusammenbrüchen für ordentliche Turbulenzen im Markt gesorgt.

US-Wirtschaft zeigt sich widerstandsfähig

Bis jetzt hat sich die US-Wirtschaft jedenfalls als relativ widerstandsfähig erwiesen. Der Internationale Währungsfonds prognostiziert der weltgrößten Volkswirtschaft in diesem Jahr ein Wachstum von 1,6 Prozent. Für das kommende Jahr werden 1,1 Prozent veranschlagt. Damit ist der IWF deutlich optimistischer als noch zu Jahresbeginn. Allein im ersten Quartal stieg das US-Bruttoinlandsprodukt gegenüber dem Vorquartal auf das Jahr hochgerechnet um zwei Prozent. Damit wuchs die Wirtschaft zu Jahresbeginn stärker als von Analysten erwartet.

Zuletzt konnten die USA zudem mit einigen positiven Konjunkturdaten überraschen. So fuhr die US-Industrie im Mai ein Auftragsplus ein. Bestellungen für langlebige Güter, wie Flugzeuge und Maschinen, legten zu. Und auch die Konsumstimmung verbesserte sich im Juni deutlich. Das Verbrauchervertauen kletterte sogar auf den höchsten Stand seit Jänner 2022 – und das trotz der hohen Inflation. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt hat sich ebenfalls verbessert. In der vergangenen Woche fiel die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe um 26.000 auf 239.000. Analysten hatten im Schnitt mit schlechteren werten gerechnet. Anhand der Anträge lässt sich die Entwicklung auf dem Jobmarkt relativ zeitnah nachvollziehen. Zuletzt gab es zwar Hinweise auf eine tendenzielle Abkühlung, doch dürfte die Lage weiterhin robust sein. Für die Fed gilt der Arbeitsmarkt neben der Inflation als essenzieller Faktor, da sie mit ihrem Mandat beides abdecken muss.

Die Fed ist mit ihrem Bestreben, die Zinsen weiter zu erhöhen, jedenfalls nicht alleine. Auch die Europäische Zentralbank ist mit ihrem Zinserhöhungszyklus noch nicht fertig. Für Juli ist eine weitere Erhöhung quasi fix. Aber auch für den Herbst gehen Beobachter von weiteren Steigerungen aus.

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