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Aus für „positive Diskriminierung“: Wie US-Unis sich verändern werden

Die konservativen Höchstrichter legen die US-Verfassung als „farbenblind“ aus. Im Bild: Studierende am Campus der öffentlichen Berkeley-Universität in Kalifornien
Die konservativen Höchstrichter legen die US-Verfassung als „farbenblind“ aus. Im Bild: Studierende am Campus der öffentlichen Berkeley-Universität in KalifornienThe Washington Post/Getty Images
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Der Supreme Court kippt die Maßnahme, mit der Universitäten schwarze Bewerber bevorteilten. Der Fall polarisiert: über „Bevormundung“ und Chancengleichheit.

New York/Washington. Ihr Herz sei gebrochen, schreibt Michelle Obama, „für jeden jungen Menschen, der sich fragt, was seine Zukunft bereithalten wird – und welche Chancen ihm offenstehen“. Es ist Donnerstagnachmittag, und der Supreme Court hat affirmative action gekippt. Sprich: US-amerikanischen Universitäten verboten, das Kriterium Ethnizität in ihren Aufnahmeverfahren zu bewerten. Auf Deutsch wird das Verfahren gern mit „positiver Diskriminierung“ übersetzt.

Bislang war es so: Universitäten konnten schwarze Bewerber und Angehörige anderer Minderheiten im Aufnahmeprozess bevorzugen, in Annahme eines komplizierteren Bildungs- und Sozialumfelds. Affirmative action stammte aus den 1960er-Jahren, aus der Zeit des Kampfes für Bürgerrechte und Gleichberechtigung in den USA. Präsident Lyndon Johnson machte sie zur Vorgabe. Und tatsächlich: Über die Jahre stieg die Zahl schwarzer Studierenden an den US-Universitäten.

Das sei verfassungswidrig, sagen sechs der neun Höchstrichter. Sie kippten die Vorgabe durch die Fälle, die 20.000 Studierende gegen die Universitäten Harvard und North Carolina eingebracht hatten: Afroamerikanische Bewerber würden bevorzugt – trotz schlechterer Leistungen. „Der Student muss auf der Basis seiner oder ihrer Erfahrungen als Individuum behandelt werden – und nicht auf der Basis seiner ,Rasse‘“, hieß es in der Mehrheitsmeinung.

„Diskriminierung Weißer“

Weiße und asiatische Bewerber seien durch affirmative action benachteiligt worden, meinten die konservativen Richter. Sie haben seit Donald Trumps Amtszeit als Präsident die Mehrheit am Supreme Court, und in der progressiven Hälfte der USA wurde das Urteil als politisch verstanden. Nach dem Entscheid der Höchstrichter im Vorjahr, Abtreibung zu verbieten, sei das Ende der Diversitätsmaßnahme ein weiterer Schritt gegen liberale Politik. Am Freitag sprachen die Höchstrichter übrigens auch Präsident Joe Bidens Schuldenschnitt für Studierende die Verfassungskonformität ab.

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