Im Erwachsenenleben taucht die Schaukel nur sporadisch auf. Dabei kann sie schnell Leichtigkeit schenken. Und für den Schlaf ist Schaukeln auch förderlich.
Kinderspielplätze, so unterschiedlich sie auch gestaltet sind, haben erstaunlich oft das gleiche Zentrum: die Schaukel. Hier ist die Warteschlange besonders lang, hier sind die Ungeduld und später die Freude oft am größten. Die Kinder erleben und erlernen hier die Bewegung, mit der sie als Baby in den Schlaf gewiegt wurden, ja, die sie bereits im Mutterleib erfahren haben. Schaukeln beruhigt und setzt Energien frei, Schaukeln macht freudig atemlos.
Im Alter begegnet uns das Schaukeln wieder. In Form eines Schaukelstuhls, der zum Sinnbild der Pension wurde, dem letzten Drittel eines Menschenlebens. Und dazwischen? Dazwischen taucht das Schaukeln nur sporadisch auf, vielleicht wird eine Gartenschaukel für den Sommer angeschafft, oder es finden sich zwei Bäume für eine Hängematte. Warum verlernen wir im Erwachsenenalter das Schaukeln eigentlich? Es ist nur eine kleine Übung, und sie würde den Menschen viel Leichtigkeit zurückgeben, ist der deutsche Philosoph Wilhelm Schmid überzeugt. Vor Kurzem hat Schmid ein Büchlein über das Schaukeln herausgebracht, er trägt philosophische Überlegungen über die Kunst der Lebensfreude zusammen und ordnet sie in den Ablauf des Schaukelns eins. „Beim Schaukeln lockert die körperliche Bewegung ganz beiläufig die krampfhafte Verengung des Geistes auf“, schreibt Schmid. Und weiter: „Schaukeln ist poetisch.“ In Berlin ist der 70-Jährige oft auf einer Schaukel (auf dem Spielplatz) anzutreffen. Den Weg dorthin fand er nach dem schmerzhaften Verlust seiner Frau, wie er beschreibt.