Valeria Gordeev, deutsche Tochter sowjetischer Emigranten, siegte mit „Er putzt“ beim Literaturwettbewerb in Klagenfurt.
Der Bachmann-Preis geht heuer an Valeria Gordeev, deutsche Tochter sowjetischer Emigranten. Sie galt schon nach Tag eins als eine der Favoriten: Gordeev las ihren Text „Er putzt“. Darin erzählt sie detailverliebt von einem Mann, der akribisch die Küche putzt, während seine Schwester eine Folge von „Emergency Room“ anschaut, der ebenfalls ausführliche Beschreibungen des medizinischen Geschehens gewidmet sind. Ihr Text war der erste in diesem Wettbewerb, der literarisch die ganze Jury begeisterte: „kolossal gut“, „hoch interessant“, „in keiner Sekunde langweilig“, eine weite Welt öffnend, urteilte diese. Am Sonntag schließlich entschied sich dir Jury für Gordeev.
Die mit 25.000 Euro dotierte Literatur-Auszeichnung wurde heuer erstmals nach einem neuen Abstimmungsmodus vergeben. Vier Preise - darunter der Hauptpreis - wurden von der Jury bestimmt, für den Publikumspreis zeichneten die Zuhörer via Internet-Voting verantwortlich .Gordeev wurde 2023 auch erstmals mit einer neu kreierten Skulptur ausgezeichnet. Geschaffen wurde die 2,3 Kilogramm schwere Plastik vom Bildhauer Helmut Machhammer, sie trägt den Spitznamen „Inge“.
Der Deutschlandfunk-Preis (12.500 Euro) ging an die 1984 geborene Wienerin Anna Felnhofer, die ihren Text „Fische fangen“ im ORF-Theater gelesen hatte. Den Kelag-Preis (10.000 Euro) erhielt der polnisch-deutsche Autor Martin Piekar. Er lag nach der ersten Abstimmung der Jury mit elf Punkten gleichauf mit der 1996 geborenen Schweizerin Laura Leupi, setzte sich dann aber in der Stichwahl durch. Leupi bekam den mit 7.500 Euro dotierten 3sat-Preis.
Neben diesen von einer siebenköpfigen Jury vergebenen Preisen gab es den BKS Bank-Publikumspreis (7.000 Euro plus Stadtschreiberstipendium), für den am Samstagnachmittag online abgestimmt werden konnte. Gewonnen hat ihn ebenfalls Martin Piekar für seinen Text „Mit Wänden sprechen/Pole sind schwierige Volk“.
Nach der Absage von Helena Adler und Robert Prosser hatten sich seit Donnerstag zwölf Autorinnen und Autoren der Jury gestellt, die in einem neuen Abstimmungsmodus mit Punktevergabe entschied. Jedes Jurymitglied vergab fünf Punkte bis einen Punkt, ausgenommen waren ihre eigenen Kandidatinnen und Kandidaten. Das Abstimmungsergebnis wurde addiert, der Ingeborg-Bachmann-Preis ging an Gordeev, die mit 19 Punkten die höchste Punkteanzahl erreichte. Analog zu den Punktemehrheiten wurden die anderen Preise - ausgenommen der Publikumspreis - zuerkannt, Felnhofer verpasste den Hauptpreis mit 18 Punkten denkbar knapp.
Die Preisträger
Bei den 47. Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt wurden am Sonntagvormittag fünf Preise vergeben.
Valeria Gordeev Ingeborg-Bachmann-Preis 25.000 Euro
Anna Felnhofer Deutschlandfunk-Preis 12.500 Euro
Martin Piekar Kelag-Preis 10.000 Euro
Laura Leupi 3sat-Preis 7.500 Euro
Martin Piekar BKS-Bank-Publikumspreis 7.000 Euro