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Umbruch für Bayreuther Festspiele: Tickets nicht mehr so heiß begehrt?

In Bayreuth regiert Wagner.
In Bayreuth regiert Wagner. claudiodivizia via imago-images.
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In etwas mehr als drei Wochen beginnen die Bayreuther Festspiele - und es gibt ungewöhnlicherweise noch Karten. Die Festspiele mussten nach Absage von Stephen Gould außerdem drei wichtige Partien neu besetzen.

Spontan im Online-Shop ein Ticket buchen, nach Bayreuth fahren und Musik genießen? Bei den Bayreuther Festspielen eigentlich unvorstellbar: Früher musste man jahrelang warten oder auf dem Schwarzmarkt hohe Summen bezahlen. Heuer gibt es wenige Wochen vor Beginn für alle Aufführungen noch Tickets: „Nach Prüfung sämtlicher Kontingente und Rückgaben nicht genutzter Dienstkarten sind kurzfristig für alle Vorstellungen wieder Karten verfügbar“, heißt es am Grünen Hügel.

Die Einzigartigkeit Bayreuths fußte bisher auf drei Säulen: Es werden nur Werke Richard Wagners aufgeführt. An der Spitze steht ein Vertreter oder eine Vertreterin der Familie Wagner. Und: Tickets sind immer heiß begehrt. Zumindest letzteres dürfte nun nicht mehr gelten.

Günstigere Tickets für unter 25-Jährige

Die Bayreuther Festspiele müssen jetzt also ums Publikum werben anstatt Wartelisten zu verwalten. Ein Indiz: Im Mai wurde eine Aktion vorgestellt, bei der Menschen unter 25 Jahren vergünstigte Tickets kaufen können. Sogar der vierteilige „Ring des Nibelungen“ kann dabei einzeln angeschaut werden. Bisher konnte man Karten nur für den kompletten „Ring“ kaufen.

Der frühere Direktor der Wiener Staatsoper, Ioan Holender, kritisierte die Qualität bei den Festspielen, er schrieb in einem Gastbeitrag für die Tageszeitung „Die Presse“: Das „zahlende Publikum“ habe Bayreuth „immer öfter enttäuscht, ja verärgert“ verlassen. Das liege an szenischen Gründen, aber auch an „fragwürdigen Dirigenten und Sängerbesetzungen“.

Holender hielt 2019 die Festrede anlässlich des 100. Geburtstags des früheren Festspiel-Chefs Wolfgang Wagner, kennt das Festival also gut. Nun formulierte er in dem Beitrag: „Die nicht ausverkauften Bayreuther Festspiele sind und sollen eine Warnung sein für alle jene Operntheater weltweit, welche die Musik und die Vorlage – das Libretto –, auf deren Grundlage die Musik komponiert wurde, vernachlässigen, verändern, verachten und, man glaubt es nicht, öfters auch nicht kennen.“

Stephen Gould sagt auf ärztlichen Rat hin ab

Und dann gibt es da noch für die Festival-Verantwortlichen Herausforderungen direkt auf der Bühne: Am Samstag war bekannt geworden, dass die Festspiele drei wichtige Partien neu besetzen mussten: Stephen Gould wird auf ärztlichen Rat hin nicht bei dem weltberühmten Festival auftreten. Gould absolvierte bereits 2022 ein Mammutprogramm in Bayreuth, auch in diesem Jahr war er wieder für die Titelpartien in „Tannhäuser“ und „Tristan und Isolde“ sowie als Siegfried in „Götterdämmerung“ vorgesehen.

Immerhin - Ersatz ist schon gefunden. Festspielleiterin Katharina Wagner bedankte sich bei den drei Künstlern, die nun übernehmen, hieß es am Samstag weiter: Andreas Schager springt als Siegfried ein, Klaus-Florian Vogt singt den Tannhäuser und Clay Hilley übernimmt die „Tristan“-Partie.

Umbesetzungen kurz vor Start

Die Bayreuther Festspiele beginnen am 25. Juli - mit einer Neuinszenierung des Richard-Wagner-Werks „Parsifal“. Eine Umbesetzung kurz vor dem Start in drei Produktionen in derlei wichtigen Partien dürfte heikel und eine Herausforderung für die Regie sein.

Gould debütierte bereits 2004 in Bayreuth als „Tannhäuser“. Im vergangenen Jahr hatte er nicht nur gefeierte Auftritte in den drei Produktionen im Festspielhaus, sondern auch als Sänger beim Festspiel-Open-Air unter freiem Himmel.

Es gab für diese Saison schon einige Umbesetzungen. Im Mai hatte etwa John Lundgren für die Titelpartie in „Der fliegende Holländer“ abgesagt. Michael Volle springt ein. Nach dem krankheitsbedingten Ausfall von Bass Dmitry Belosselskiy übernimmt Günther Groissböck dessen Rolle als Landgraf Hermann im „Tannhäuser“. Für Belosselskiys Partie des Hagen in der „Götterdämmerung“ springt Mika Kares ein.

Ungewöhnlich ist das allerdings nicht - kurzfristige Änderungen zu organisieren, kennt man in Bayreuth: Im vergangenen Jahr musste etwa „Ring“-Dirigent Pietari Inkinen wegen einer Corona-Infektion absagen. Der schon am Grünen Hügel probende Cornelius Meister übernahm. Und auch Gould musste für eine der „Götterdämmerung“-Aufführungen 2022 passen - Clay Hilley unterbrach deshalb spontan seinen Strandurlaub, um einzuspringen. (APA/dpa)

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