Die 37-jährige Victoria Amelina stirbt nach einem Raketenangriff auf ein Lokal in der ukrainischen Stadt. Die Schriftstellerin dokumentierte russische Kriegsverbrechen in der Ukraine.
Sie war eine der bekanntesten jungen Schriftstellerinnen der Ukraine. Seit der russischen Invasion dokumentierte Victoria Amelina Kriegsverbrechen und arbeitete mit Kindern in der Nähe der Front zusammen. Bei einem russischen Raketenangriff auf eine Pizzeria in der ostukrainischen Stadt Kramatorsk vergangenen Dienstag erlag sie ihren Verletzungen. Sie ist das 13. Todesopfer der Attacke. Die 37-Jährige befand sich mit einer Delegation kolumbianischer Schriftsteller und Journalisten in dem beliebten Lokal, als die Rakete einschlug. 60 weitere Personen wurden bei dem Angriff verletzt.
Amelina sei mit einem Rettungswagen in ein Spital nach Dnipro geliefert worden, doch sie erlag ihren Verletzungen in der Nacht auf Samstag, gab der Schriftsteller Verband Pen in der Ukraine bekannt. „Mit größtem Schmerz teilen wir Ihnen mit, dass die ukrainische Schriftstellerin Victoria Amelina am 1. Juli verstorben ist.“ In den letzten Stunden ihres Lebens seien Familie und Freunde bei ihr gewesen.
Verschwundenes Tagebuch entdeckt
Wenige Wochen nach Kriegsbeginn entschied die im westukrainischen Lwiw Gebürtige, dass sie nicht bloß über den Krieg schreiben wollte, erzählte sie der Zeitung „Kiew Independent“. Sie absolvierte ein Training zur Berichterstatterin von Kriegsverbrechen. Zu diesem Zeitpunkt verschwand auch ihr Kollege Wolodymyr Valulenko. Der Kinderbuchautor soll in der Region Charkiw von russischen Soldaten entführt und getötet worden sein. Amelina machte das Tagebuch Valulenkos ausfindig, das er kurz nach dem russischen Angriff in die Ukraine zu schreiben begonnen hatte, und vor seinem Verschwinden unter einem Kirschbaum in seinem Garten vergraben hatte.
Ihr erstes englischsprachiges Sachbuch „War and Justice Diary: Looking at Women Looking at War“ (auf Deutsch in etwa: „Tagebuch des Kriegs und der Gerechtigkeit: Blick auf Frauen, die den Krieg ansehen“) soll demnächst veröffentlicht werden und behandelt ukrainische Frauen, die Kriegsverbrechen und ihr eigenes Leben während des Krieges dokumentieren.
In einem Kommentar, der in ihrem Profil auf der Kurznachrichtenseite Twitter angeheftet ist, schrieb sie. „Das in dem Bild bin ich. Ich bin eine ukrainische Schriftstellerin. Ich habe Porträts großer ukrainischer Dichter auf meiner Tasche. Ich sehe aus, als sollte ich Fotos von Büchern, Kunst und meinem kleinen Sohn machen. Aber ich dokumentiere Russlands Kriegsverbrechen und höre den Klang von Bomben, nicht von Gedichten. Warum?“ (me)