Kriminalität

Frauenmorde: Tatort Wien besonders häufig

Eine am Montag in Wien-Ottakring verübte Bluttat überschattete die Präsentation einer neuen Studie über Frauenmorde.
Eine am Montag in Wien-Ottakring verübte Bluttat überschattete die Präsentation einer neuen Studie über Frauenmorde. APA / Tobias Steinmaurer
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Eine neue Studie über Frauenmorde liefert Ansätze für Präventionsmaßnahmen. Die Studienautorinnen empfehlen die Angebote der Gewaltschutz-Zentren besser zu „bewerben“.

In Wien werden überdurchschnittlich viele Morde und Mordversuche an Frauen verübt. Die Bundeshauptstadt beheimatet rund ein Fünftel (21 Prozent) der österreichischen Bevölkerung, verzeichnet aber mehr als ein Drittel (33,8 Prozent) der Anzeigen wegen Mordes oder versuchten Mordes an Frauen oder Mädchen.

In Niederösterreich ist der Anteil derartiger Taten geringfügig überproportional, in Salzburg entspricht er dem Bevölkerungsanteil, in den anderen Bundesländern liegt er unter dem Bevölkerungsanteil. Dies ist eines der Ergebnisse der am Dienstag im Innenministerium präsentierten Studie „Untersuchung Frauenmorde – eine quantitative und qualitative Analyse“ des Instituts für Konfliktforschung (IKF, Studienautorinnen sind Viktoria Eberhardt und Brigitte Temel).

Von Bluttat überschattet

In zirka 30 Prozent der Fälle von Frauenmorden und -mordversuchen war eine mitunter jahrelange Gewaltvorgeschichte aktenkundig. Etwa ein Viertel der Opfer hatte den gewalttätigen (Ex-)Partner bereits angezeigt. Rund zehn Prozent der Täter waren bereits einmal wegen Gewalt gegen die (Ex-)Partnerin verurteilt.

Die Präsentation der Studie wurde von einem weiteren Frauenmord überschattet: Erst am Montag hatte ein 35-Jähriger in Wien-Ottakring eine 28-Jährige erstochen, danach unternahm er einen Suizidversuch. Am Dienstag lag er noch auf der Intensivstation. Täter und Opfer stammen aus Syrien. Laut Frauenministerin Susanne Raab war es der 15. Mord an einer Frau in Österreich in diesem Jahr. Vor allem die Prävention solle weiter ausgebaut werden, wie Raab (ÖVP), Justizministerin Alma Zadić (Grüne) und Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) versprachen.

Zurück zu den Erkenntnissen der Studie (diese befasst sich mit Kriminalstatistik-Daten zu Frauenmorden bzw. Versuchen von Anfang 2010 bis Ende 2020 und mit Justizakten zu Frauenmorden von 2016 bis 2020): Aufgeschlüsselt nach Nationalitäten hatten 72 Prozent der Täter die österreichische Staatsbürgerschaft, davon hatten 15 Prozent Migrationshintergrund. 19 Prozent kamen aus Drittstaaten, fünf aus einem EU-Mitgliedstaat, zwei Prozent waren staatenlos, ein Prozent war nicht zuzuordnen.

Zum Beziehungsverhältnis von Opfern und Tätern: 74 Prozent waren (Ex-)Partner, 19 Prozent Verwandte, sechs Prozent Bekannte (ein Prozent unbekannt). Bei Femiziden durch den (Ex-)Partner war in 30 Prozent der Fälle eine Trennung der Anlass für die Taten gewesen.

Laut Studie sei es wichtig Hochrisiko-Indikatoren zu erkennen, bei fast der Hälfte der Täter lagen psychische Erkrankungen vor. Auch Arbeitsplatzverlust, wirtschaftliche Probleme oder patriarchales Denken wurden als Gründe für die Bluttaten festgestellt.

Die Presse / GK

Die meisten tatverdächtigen Personen (33,5 Prozent) verwendeten im Zuge des Angriffs eine Stichwaffe. Beinahe ebenso häufig (31,3 Prozent) wurde die Tat ohne eine Waffe verübt. Eine Schusswaffe erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die Tat tödlich endet: 57 der 92 Opfer einer näheren Untersuchung (62,6 Prozent) zum Schusswaffengebrauch starben. Ein Angriff mit einer Stichwaffe endete für 36,7 Prozent der Opfer tödlich.

Insgesamt gab es in den untersuchten elf Jahren 793 weibliche Opfer von Morden oder Mordversuchen mit 767 Tatverdächtigen. Bei 73 Prozent der Morde handelte es sich um Femizide, damit war das Geschlecht für die Tat ausschlaggebend. Der gefährlichste Ort für eine Frau war demnach die eigene Wohnung.

„Patriachalische Denkmuster“

Laut Raab sei bei der Integration anzusetzen. Täter mit Migrationshintergrund seien bei Frauenmorden verglichen mit ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung deutlich überrepräsentiert. Die Ministerin verwies auf „patriarchale Denkmuster von Männern aus Ländern, wo Frauen viel weniger wert sind als Männer.“

Karner kündigte einen Ausbau der Fallkonferenzen bei Hochrisikofällen an. Heuer gab es bis Ende Mai bereits rund hundert solcher Zusammenkünfte. 80 waren es im Vergleichszeitraum des Vorjahres, 209 im gesamten Jahr 2022.

Bis 30. Juni 2023 wurden 7650 Betretungsverbote gegen Gefährder ausgesprochen. Im ersten Halbjahr 2022 waren es 7138, im gesamten Jahr 14.643.


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