Kunst

Albertina: Ralph Gleis wird neuer Direktor

Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer (Grüne) und Kunsthistoriker Ralph Gleis bei der Präsentation der neuen Albertina-Direktion.
Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer (Grüne) und Kunsthistoriker Ralph Gleis bei der Präsentation der neuen Albertina-Direktion.APA / Georg Hochmuth
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Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer gab bekannt, wer Klaus Albrecht Schröder an der Spitze der Albertina nachfolgt. Sie hat sich für den Kunsthistoriker Ralph Gleis entschieden.

Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer (Grüne) enthüllte am Mittwoch um 11 Uhr, wer ab 2025 die Albertina leiten wird: Ralph Gleis, derzeit Direktor der Alten Nationalgalerie Berlin, wird der neue Chef des Museums. In der Wiener Kunstszene ist er kein Unbekannter: Gleis war von 2009 bis 2017 Kurator am Wien Museum. 

Er folgt Klaus Albrecht Schröder nach, dem Mayer bei der Pressevorführung ausdrücklich dankte. Die Albertina sei „nichts anderes als dein Lebenswerk“, sagte sie zum scheidenden Direktor. „Was du in 24 Jahren aus dem Haus gemacht hast, sucht seinesgleichen, auch international.“

Zehn Fauen, zehn Männer bewarben sich

Schröder steht dem Museum seit 2000 vor und hatte sich nicht mehr beworben. 20 Interessenten hat es für den Posten gegeben - jeweils zehn Frauen und Männer. Sechs Bewerber hat Mayer zu Hearings eingeladen. „Uneingeschränkt empfohlen“ wurden ihr zwei Personen, sagte sie bei der Präsentation. Sie habe sehr lange Einzelgespräche geführt und die Anwärter an ihren Wirkungsstätten besucht.  

Gleis habe mit einer Aura der Professionalität und der Begeisterung für das Haus sowie Ideen für die Sammlungsbestände überzeugt, die er als Chance und nicht als Einschränkung begreife, sagte die Staatssekretärin. Außerdem habe er Kooperationsmöglichkeiten mit anderen Bundesmuseen angesprochen, „was mich als Eigentümervertreterin natürlich besonders begeistert.“ Gleis sei ein kunstsinniger Museumsgestalter sowie Topmanager und motivierender Kommunikationsprofi. Er kenne die Stadt außerdem aus seiner Zeit beim Wien Museum. 

„Die Albertina war für mich persönlich immer ein ganz besonderer Ort der vielfältigsten Begegnungen mit Kunst“, betonte Gleis: „Ich bin mit der Stadt, mit der Albertina verbunden.“ Konzeptionell erinnerte der 49-Jährige an die Neuorientierung der Albertina von der Grafiksammlung hin zum international bedeutenden Museum: „Diese Transformation birgt ganz viel Zukunftspotenzial und auch die Herausforderung, dieses Konzept auf seine Tragfähigkeit zu überprüfen.“ Zugleich versicherte der Kunsthistoriker: „Es spielt weiterhin ein attraktives und innovatives Ausstellungsprogramm eine Rolle. Wer die Albertina heute liebt, der wird sie auch in Zukunft lieben.“

Gleis soll das Tempo der Albertina senken

Gleis nekannte sich zur neu begründeten Albertina modern. „Der Austausch ergibt eine größeren Möglichkeit in Richtung auf Sammlungsstrategien.“ Das gelte auch für eine etwaige Neueröffnung des einstigen Essl-Museums als dritter Standort. Auf der anderen Seite wolle er aber auch die „sammlungsbasierte Forschung“ ausbauen und das Haus zu einem Kompetenzzentrum für die Kunst auf Papier machen. Und nicht zuletzt wolle er die internationalen Kooperationen genauso wie jene mit anderen Bundesmuseen steigern.

„Weiter in der Elite der internationalen Museumslandschaft mitspielen - und gleichzeitig das Tempo ein wenig zu senken“, gab Staatssekretärin Mayer als Devise für den neuen Generaldirektor im Hinblick auf steigende Kosten aus. Gleis sei eine „Idealbesetzung“, um diesen schmalen Grat zu meistern.

Auch wenn die beiden jüngsten Personalentscheidungen für das Kunsthistorische Museum (das künftig Jonathan Fine leiten wird) und Albertina am Ende Männer an die Spitze brachten, so dominieren doch die Frauen den Reigen der Bundesmuseen. Schließlich hat das Belvedere mit Stella Rollig, das MAK mit Lilli Hollein, das mumok mit Karola Kraus, das Naturhistorische Museum mit Katrin Vohland und die Nationalbibliothek mit Johanna Rachinger Direktorinnen.

Der einzige Mann neben den beiden designierten Museumschefs ist da Peter Aufreiter, amtierender Generaldirektor des Technischen Museums Wien. Die Personalentscheidung, ob der gebürtige Linzer für eine zweite Amtszeit ab 2025 verlängert wird, steht noch aus. Der Germanist hat sein Amt im TMW 2020 angetreten und hat sich dem Vernehmen nach um eine weitere Amtszeit beworben.

Zur Person

Ralph Gleis, geboren am 9. August 1973 in Münster. Von 2009 bis 2017 war er Kurator am Wien Museum, von wo er als Leiter an die Alte Nationalgalerie in Berlin wechselte, deren Direktor er derzeit ist. Gleis gilt als Spezialist für die Klassische Moderne und die Kunst des 19. Jahrhunderts, seine Dissertation an der Universität Köln verfasste er zur Historienmalerei im 19. Jahrhundert.

Sein beruflicher Werdegang führte ihn über das Deutsche Historische Museum in Berlin, das Königliche Museum der Schönen Künste in Antwerpen sowie das Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in Bonn, bevor er nach Wien wechselte.

Die Albertina-Direktoren

1919 ging die Grafiksammlung von Herzog Albert von Sachsen-Teschen (1738-1822) in den Besitz der Republik Österreich über und wurde mit den Kupferstichbeständen der ehemals kaiserlichen Hofbibliothek zusammengelegt. 1920 erfolgte die Umbenennung in „Staatliche Graphische Sammlung Albertina“. Im Folgenden die Liste der Persönlichkeiten an der Spitze des Museums seit damals:

  • Joseph Meder: 25. Dezember 1920-1922
  • Alfred Stix: 1923 provisorischer Leiter; 1923-1934 Direktor
  • Josef Bick: 1934-1938 Direktor, 1945-1946 Direktor
  • Anton Reichel: 1938-1942 provisorischer Leiter, 1942 bis Februar 1945 Direktor
  • Heinrich Leporini: Februar bis Mai 1945 provisorischer Leiter
  • George Saiko: Mai bis Juli 1945 provisorischer Leiter
  • Karl Garzarolli-Thurnlackh: März bis August 1946 Leiter, August 1946 bis April 1947 Direktor
  • Otto Benesch: Mai 1947 bis Ende 1947 Leiter, Ende 1947 bis 1961 Direktor
  • Walter Koschatzky: 1962-1986 Direktor
  • Erwin Mitsch: 1986-1987 interimistischer Leiter
  • Konrad Oberhuber: 1987-1999 Direktor
  • Klaus Albrecht Schröder: 1999 Geschäftsführer, 2000 bis 2024 Generaldirektor
  • Ralph Gleis: ab 2025 Generaldirektor

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