Alternative Pädagogik: Spaß als wichtigstes Unterrichtsziel

Alternative Paedagogik Spass wichtigstes
(c) Schule im Pfeifferhof

In der Schule im Pfeifferhof müssen die Kinder nur dann lernen, wenn sie Lust dazu haben. Das Konzept scheint zu funktionieren. Ein Lokalaugenschein.

Graz. Aus dem tragbaren Radio, das inmitten des Klassenzimmers steht, tönt Musik. Davor schlagen zwei Schülerinnen Räder und üben die neu erlernten Hip-Hop-Schritte. Ein Bub liegt auf dem Hochbett und liest Comics. Wenige Meter weiter, im schuleigenen Garten, machen sich zwei Buben auf den Weg durch den Wald zu einem „Tierhaus“, das sie aus Ästen und Laub gebaut haben. Das alles passiert in der Schule im Pfeifferhof in Graz nicht in der Pause, sondern während des Unterrichts. Das Konzept der alternativen Privatschule: Die Schüler machen ausschließlich das, was ihnen Spaß macht.

Der Grundsatz kommt sowohl bei den Kindern als auch bei den Eltern gut an. Seit 19 Jahren gibt es die Schule. Der Zulauf wird seither stetig größer, mit rund 90 Kindern zwischen sechs und 15 Jahren ist die Schule derzeit ausgelastet. Sie alle sind in lediglich drei Klassen aufgeteilt, denn unterrichtet wird jahrgangsübergreifend: Sechs- bis Neunjährige, Neun- bis Zwölfjährige und Zwölf- bis 15-Jährige besuchen jeweils eine Klasse. Und auch deren Stundenplan – wenn man es überhaupt so nennen kann – verrät einiges über die Eigenheiten der Schule im Pfeifferhof.

So haben die sechs- bis neunjährigen Schüler gar keine Unterrichtseinheiten, ihr Tag besteht aus offener Arbeitszeit. Ob sie Lego spielen, Puzzle bauen oder Comics lesen, spielt dabei keine Rolle. Nicht einmal das Alphabet wird ihnen beigebracht – außer sie fragen dezidiert danach. Auch Lesen lernen die Kinder selbst. Sie lernen es eben nach und nach – also durch diverse Spiele oder durch das Beobachten ihrer älteren Mitschüler. Nur wenn die Pädagogen bemerken, dass sich ein Kind ungewöhnlich schwertut, wird gezielt mit diesem gearbeitet.

 

Kinder sind ohnehin neugierig

Auch für die Ältesten gibt es nur wenige echte Lernstunden. Zwar werden Mathematik, Deutsch und Naturwissenschaftskurse angeboten. Eine Verpflichtung, diese Kurse zu besuchen, gibt es aber nicht. Daraus zu schließen, dass die Schüler wenig lernen, sei aber falsch, sagt Schuldirektor Uwe Blahowsky: „Es ist die falsche Denkweise, davon auszugehen, dass Kinder nur dann etwas lernen, wenn es ihnen befohlen wird.“ Wenn die Kinder eingeschult würden, seien sie ohnehin neugierig. Und auch kurz bevor sie die Schule verlassen, sei ihre Motivation hoch. Immerhin haben sie dann ein klares Ziel vor Augen – und zwar den Übertritt in eine weiterführende Schule.

Die Statistik gibt der Schule, die sich an unterschiedlichen reformpädagogischen Konzepten orientiert, recht. Mehr als 90 Prozent der Absolventen gehen in eine weiterführende Schule, und „auch die Neurobiologie spielt uns in die Hände“, sagt Blahowsky. Damit hat er nicht unrecht. So sagt auch der Hirnforscher Manfred Spitzer, dass Lernen dann am besten funktioniere, wenn es Spaß macht.

Der Zweifel, ob die Kinder an der Schule im Pfeifferhof tatsächlich ausreichend lernen, bleibt für viele trotzdem. „Wir haben Ängste, da wir selbst in einem anderen Schulsystem groß geworden sind“, sagt Susanne Weber. Sie hat die Entscheidung, ihre Tochter in die alternative Schule im Pfeifferhof zu schicken, aber nicht bereut. Und das obwohl – oder gerade weil – sie den Unterschied kennt: Ihr Sohn besucht eine normale Schule.

Das Kind in die Alternativschule zu geben, ist jedoch auch eine Kostenfrage. 330 Euro pro Monat sind pro Kind zu berappen. Zudem müssen sich die Eltern 70 Stunden pro Jahr in der Schule engagieren. Sie geben Unterrichtsstunden, putzen, arbeiten im Garten. Ohne das wäre der Betrieb nicht möglich. Vom Staat wird die Schule nur zu etwa 30 Prozent gefördert. Alle Kosten damit abzudecken, ist unmöglich. Und auch Sponsoren zu finden, ist nicht immer einfach. Blahowsky beweist durchaus Selbstironie, wenn er sagt: „Wir sind auf der Suche nach Gutmenschen.“

Auf einen Blick

Die Schule im Pfeifferhof besteht seit 19 Jahren. Derzeit werden an der alternativen Privatschule rund 90 Kinder unterrichtet. Pro Monat zahlen die Eltern 330 Euro für den Schulbesuch ihres Kindes. Zudem müssen sie 70 Stunden pro Jahr selbst in der Schule mitanpacken. Credo der Schule: Lernen muss Spaß machen. Die Schüler müssen den Unterricht nicht besuchen, wenn sie nicht wollen. Auch Tests und Hausübungen sind nicht verpflichtend. Mehr Infos:www.sip-knallerbse.at