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Papst fordert Erneuerung und Bekehrung

Papst Habe voller Freiheit
c REUTERS STEFANO RELLANDINI
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Unter großem Besucherandrang feiert Benedikt XVI. seine letzte große Messe als Papst und ruft zu einer intensiveren kirchlichen Gemeinschaft auf. Das Konklave zur Wahl seines Nachfolgers beginnt am 15. März.

Bei der Aschermittwochsliturgie, seinem letzten großen Gottesdienst vor dem Rücktritt, hat Papst Benedikt XVI. die Gläubigen in der Fastenzeit zu Erneuerung und Bekehrung aufgerufen. Die Fastenzeit diene gerade dazu, die Haltungen und konkreten Handlungen zu erneuern. "Heute sind viele bereit, sich die, Kleider zu zerreißen angesichts von Skandalen und Ungerechtigkeiten - die natürlich von anderen begangen worden sind -, aber wenige nur scheinen bereit, am eigenen Herzen zu arbeiten, am eigenen Gewissen und an den eigenen Intentionen, und dabei dem Herrn die Wandlung, Erneuerung und Bekehrung zu überlassen", sagte der Heilige Vater.

Es sei wichtig, sich dessen zu besinnen und dies in dieser Fastenzeit zu leben: Jeder müsse sich bewusst sein, dass der Weg der Buße nicht alleine bewältigt werden könne, sondern gemeinsam mit den vielen Brüdern und Schwestern in der Kirche, so der Papst. "Ich denke besonders an die Sünden gegen die Einheit der Kirche, an die Spaltungen im Leib der Kirche. Die Fastenzeit in einer intensiveren und sichtbareren kirchlichen Gemeinschaft zu leben, und die Individualismen und Rivalitäten zu überwinden, ist ein demütiges und kostbares Zeugnis für jene, die dem Glauben fern stehen oder gleichgültig sind", erklärte der Heilige Vater.

Schon Stunden vor dem Beginn der Aschermittwochs-Liturgie reichte die Schlange der Wartenden einmal um den Petersplatz. Tausende Gläubige, Pilger und Touristen wollten dabei sein, wenn der deutsche Papst noch einmal im Dom eine Feier leitet.

Konklave ab 15. März

Das Konklave zur Wahl des Nachfolgers von Benedikt XVI. wird 15 bis 20 Tage nach Beginn der Sedisvakanz, also nach dem Rücktritt von Josef Ratzinger am 28. Februar, stattfinden. "Wenn alles problemlos verläuft, kann man davon ausgehen, dass das Konklave ab dem 15. März beginnt", sagte Lombardi bei einer Pressekonferenz am Mittwoch.

Der Termin für den Beginn des Konklaves sollen die zu täglichen Generalkongregationen zusammengetroffenen Kardinälen bestimmen, berichtete Lombardi. Bei diesen Sitzungen müssen alle anfallenden Amtsgeschäfte der Kirche behandelt werden. Dieses "Vorkonklave" muss auch die Papstwahl vorbereiten. An den Kongregationssitzungen können auch die über 80-jährigen Kardinäle teilnehmen, die bei der Wahl selbst nicht mehr dabei sind.

Papst: "Habe in voller Freiheit verzichtet"

Bei der Generalaudienz mit 3550 Gläubigen aus der ganzen Welt hatte der Papst am Vormittag versichert, dass er "in voller Freiheit" und für das Wohl der Kirche seinen Rücktritt erklärt habe. Er bat die Gläubigen, für ihn und für die Kirche, sowie für den künftigen Papst zu beten (Mehr dazu ...).

REUTERS/Stefano Rellandini

Papst twittert wieder

Erstmals seit seiner Rücktrittsankündigung hat Papst Benedikt XVI. wieder eine Botschaft über den Kurznachrichtendienst Twitter verbreitet. "In der Fastenzeit, die wir nun beginnen, erneuern wir unseren Vorsatz zur Umkehr und wollen Gott mehr Raum geben", hieß es in der Nachricht am Aschermittwoch. Die 40 Tage der Fastenzeit sollen von Katholiken genutzt werden, um Verzicht zu üben, Buße zu tun und sich auf die Verantwortung für Gottes Gaben und Schöpfung zu besinnen. Die Zeit des Verzichts erinnert auch an die Leidenszeit Jesu.

Papst bleibt Papst

"Bis zum 28. Februar wird Papst Benedikt XVI. unser Papst bleiben, mit allen seinen Funktionen", sagte Lombardi bereits vor der Audienz am Mittwoch. Nach seiner Rücktrittankündigung nimmt Benedikt also weiter Termine wahr. Dazu gehören laut Lombardi Treffen mit Bischöfen und ausländischen Staatsgästen in den kommenden Tagen (siehe Info-Kasten unten).

Am vorletzten Tag seiner Amtszeit (27. Februar) wird der Papst seine letzte Generalaudienz auf dem Petersplatz abhalten. Andere besondere Veranstaltungen zum Ende seines Pontifikats sind laut Vatikan nicht geplant. Lombardi betonte nochmals, dass der Papst sich nicht wegen einer akuten Erkrankung zum Rücktritt entschlossen habe.

Am 28. Februar wird Benedikt sein Pontifikat aufgeben - das hat es in der Neuzeit noch nie gegeben. Dann beginnt innerhalb von 15 bis 20 Tagen das Konklave, das seinen Nachfolger wählt. Bis Ostern soll feststehen, wer neuer Papst wird.

Die letzten Termine als Papst

Etwa zwei Wochen noch, dann ist das Pontifikat von Benedikt XVI. Geschichte. Doch ehe der Papst den Stuhl Petri am 28. Februar räumt, hat er noch Pflichten zu erfüllen. Eine Übersicht:

Mittwoch, 13. Februar: Vormittags Generalaudienz in der vatikanischen Audienzhalle. Am späten Nachmittag (17.00 Uhr) dann Aschermittwoch-Liturgie zum Auftakt der Fastenzeit im Petersdom.

Donnerstag, 14. Februar: In der Früh Treffen mit dem römischen Klerus in der vatikanischen Audienzhalle. Der Papst antwortet bei dieser Gelegenheit auf Fragen, die Priester ihm stellen, oder spricht frei.

Freitag, 15. Februar: Empfang des rumänischen Präsidenten Traian Basescu in Privataudienz. Außerdem: Empfang von italienischen Bischöfen.

Samstag, 16. Februar: Empfang des Präsidenten Guatemalas, Otto Fernando Perez Molina. Zudem: Empfang von italienischen Bischöfen.

Sonntag, 17. Februar: Vorletztes Angelus-Gebet (12.00 Uhr) auf dem Petersplatz. Am Abend Beginn der Fastenexerzitien der Kurie traditionell keine öffentlichen Auftritte in der folgenden Woche, keine Gottesdienste und auch keine Generalaudienz.

Freitag, 22. Februar: Dankesworte des Papstes beenden die Fastenexerzitien der Kurie.

Sonntag, 24. Februar: Letztes Angelus-Gebet (12.00 Uhr) auf dem Petersplatz

Mittwoch, 27. Februar: Letzte Generalaudienz (10.30 Uhr) in der vatikanischen Audienzhalle

Donnerstag, 28. Februar: Um 20 Uhr will Papst Benedikt XVI. sein Amt niederlegen. Die Sedisvakanz ("Unbesetzter Stuhl Petri") beginnt.

(APA)