Interview

Architekt Dietmar Eberle: »Wir müssen wieder eine Stadt bauen«

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Architekt Dietmar Eberle plädiert für einen Paradigmenwechsel im Städtebau. Über die Qualität sehr dichter Städte, Fehler der Vergangenheit – und darüber, was der Wiener Pferdemist über ökologische Umbrüche lehrt.

Wien erlebt eine Zeit des Wachstums, es gibt viel Zuzug, die Stadt wird größer, dichter. Was bedeutet das für die Baukultur – und die Menschen?

Dietmar Eberle: Ich denke, die Dichten, die wir im Moment machen, sind zu niedrig. Im Mittelalter oder der Gründerzeit haben wir noch höhere Dichten gemacht, damals gab es einen sorgsameren Umgang mit Grund und Boden. Ich glaube, wir sehen eine große Veränderung. Die Zahl der Ein- und Zwei-Personen-Haushalte ist gewaltig im Steigen, diese Kleinhaushalte haben andere Bedürfnisse an ihr tägliches Leben als Familien: Funktionen werden aus Häusern und Wohnungen ausgelagert, das führt auch zu einer Belebung des städtischen Umfelds. Die wichtigste Frage ist: Wie wohl fühlen sich Menschen? Da gibt es eine Korrelation von Dichte und Wohlfühlfaktor. Es gibt ein Buch, das ich darüber geschrieben habe. 

Wie sieht diese Korrelation aus?

Es gibt zwei Typen, die eine sehr hohe soziale Akzeptanz haben: alte Quartiere mit sehr hoher Dichte und luxuriöse Einfamilienhausgegenden. Wir haben leider in den letzten 40, 50 Jahren Dichten gebaut, die weder städtisch geworden sind, noch tatsächlich der Landschaft zuzuordnen sind. Große Dichten haben natürlich auch ökologische Vorteile. Fußläufigkeit, verringerter Transport. Die Transportform der Zukunft ist sicher die Fußläufigkeit. Das ist eine Form von Lebensqualität.


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