Ein dichtes Netz aus historischen Fakten, Legenden und Mythen verknüpft die drei großen monotheistischen Weltreligionen.
Haben Sie am 27. Juni, dem sogenannten Siebenschläfertag, auf das Wetter geachtet? Es soll ja nach einer alten Bauernregel über Sonne und Regen im nachfolgenden Sommer entscheiden. Den Namen hat der Tag nicht von den kleinen Kobolden, die sich im Dachstuhl einnisten und einem den Schlaf rauben, sondern er erinnert an das Schicksal der Sieben Schläfer in der christlichen und islamischen Tradition.
Eine der rätselhaftesten Legenden im Koran (Sure 18, Vers 18) erzählt von einer Gruppe frommer Männer, die sich vor der Verfolgung mit einem Hund in eine Höhle retten, die sich hinter ihnen wundersam verschließt. Der Allmächtige versetzt sie hier in einen mehrere Jahrhunderte dauernden tiefen Schlaf. Als sie danach herauskommen, hat sich in der Welt um sie der wahre Glaube durchgesetzt und sie sind sicher. Die christliche Überlieferung kennt die Geschichte als die der Sieben Heiligen von Ephesus, die in der Zeit der Christenverfolgung durch den langen Schlaf ihr Leben retten.
Eine bessere Einleitung, um den Verbindungen und Gemeinsamkeiten der großen drei monotheistischen Weltreligionen nachzuspüren, als diese Geschichte der Sieben Heiligen ist kaum zu finden. Der Orientalist Daniel Gerlach, ein anerkannter Kenner der arabisch-islamischen Welt in Vergangenheit und Gegenwart, hat zu diesem Thema ein großartiges Buch mit überwältigend vielen Einsichten, die einem bis dahin nicht bewusst waren, vorgelegt.