Oper

„Carmen“ in St. Margarethen: Abbruch im Steinbruch

Bei dieser Premiere durfte Carmen am Leben bleiben - der Regen rettete sie.
Bei dieser Premiere durfte Carmen am Leben bleiben - der Regen rettete sie.APA
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Die Premiere von Bizets Oper wurde nach der ersten Hälfte Opfer eines Regengusses.

Die zweite Hälfte der „Carmen“-Premiere in St. Margarethen fiel ins Wasser. Intendant Daniel Serafin versprach freilich: Die Gäste können gegen eine Manipulationsgebühr von zehn Euro eine Reprise besuchen. Zu sehen bekommen sie dann allerdings nicht den pittoresken Römersteinbruch, den Bühnenbildner Alessandro Camera wieder einmal verbaut hat, diesmal mit der monumentalen Nachbildung eines Filmstudios. Dessen drehbare Bauteile geben erst den Blick auf Opernszenen frei.

Ihnen hat Regisseur Arnaud Bernard jedoch weit weniger Aufmerksamkeit geschenkt als der von ihm hinzuerfundenen Handlungsebene: dem Set für einen Film über einen Bürgerkrieg. In dessen Gewaltszenen (inklusive „Cut“- und „Action“-Rufen) gingen die Schlüsselszenen der Oper rettungslos unter, etwa Carmens Flucht oder der Auftritt des Escamillo. Dabei hätten Carmen, Don José und Escamillo, allesamt Rollendebütanten, der Unterstützung durch eine ausgefeilte Personenregie bedurft. Wirklich „gestützt“ wurden die Sänger nur akustisch – durch eine intensiv genutzte Verstärkeranlage, die nicht ahnen ließ, ob vokale Durchschlagskraft und Volumen ohne technische Hilfen ausreichen würden: Die Stimmen klangen laut und eindimensional.

Zu gemächliche Tempi

Soweit sich das beurteilen ließ, feierte Joyce El-Khoury ihr Rollendebüt als Carmen tadellos, dank eines über alle Lagen sicher geführten Soprans. Der US-Tenor Brian Michael Moore könnte ein exzellenter Don José werden, sobald er Vertrauen in seinen gut geführten, in der Tiefe angenehm dunkel timbrierten Tenor gewinnt. Die Micaela von Vanessa Vasquez war ihm eine routinierte Duettpartnerin mit üppig klingender Mittellage.

Vittorio Prato, als Escamillo von der Regie um seinen effektvollen „Toreador“-Auftritt gebracht, hatte hingegen leichte Probleme bei den Spitzentönen. Das Schmuggler-Quartett mit Aleksandra Szmyd, Sofia Vinnik , Marco Di Sapia und Angelo Pollak punktete, vokal sicher, mit viel Spielfreude. Wie auch der von Walter Zeh vorbereitete Philharmonia-Chor – obwohl Maestro Valerio Gallis Tempi durchwegs zu gemächlich wirkten, um Bizets prickelnd funkelnder Musik gerecht zu werden.

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