Serbien

Proteste und Skandale: Die Nöte des serbischen Präsidenten Vučić

Nach zwei Amokläufen gingen Zehntausende gegen Gewalt und Serbiens Präsidenten Aleksandar Vučić auf die Straße.
Nach zwei Amokläufen gingen Zehntausende gegen Gewalt und Serbiens Präsidenten Aleksandar Vučić auf die Straße.AP/picturedesk/Milos Miskov
  • Drucken

Lange galt Aleksandar Vučić als allmächtig. Doch US-Sanktionen gegen seinen Geheimdienstchef und Massendemonstrationen lassen seinen Glanz verblassen.

Wenn es nicht gut für ihn läuft, dann sind für Serbiens starken Mann immer die anderen schuld – vor allem die ausländischen Verschwörer. Er habe „Beweise“, dass die deutschen Grünen „die Organisatoren der Proteste bezahlen“, wetterte Präsident Aleksandar Vučić bei einem seiner Endlos­monologe im Studio des TV-Senders Prva: „Sie schicken vor jeder Wahl Geld. Sie glauben, sie können hier tun und lassen, was sie wollen.“ Als „völligen Blödsinn“ bezeichnet Viola von Cramon, die grüne Kosovo-Berichterstatterin des Europaparlaments, die von Vučić verbreiteten Vorwürfe: Die „unbegründeten“ Behauptungen dienten nur dazu, die Proteste der Bevölkerung gegen die regierende Elite als „unaufrichtig“ zu diskreditieren.

Der Unmut über Vučić wächst

Ob als Minister, Partei-, Regierungs- oder Staatschef: Seit der Machtübernahme seiner nationalpopulistischen Serbischen Fortschrittspartei SNS vor elf Jahren zieht Vučić in Serbien die Fäden. Doch nach zwei blutigen Amokläufen Anfang Mai, denen insgesamt 19 Menschen zum Opfer fielen, mehrt sich der Unmut über den selbstgefällig wirkenden Staatschef. „Vučić, hau ab!“, fordern bereits seit zwei Monaten die Teilnehmer der allwöchentlichen Protestdemonstrationen „gegen die Gewalt“ – und gegen den mächtigen Präsidenten: Sie werfen ihm nicht nur die Staatssubventionen für gewaltverherrlichende TV-Sender im Dunstkreis seiner regierenden SNS, Mediengängelung und die Aushebelung der Gewaltenteilung vor, sondern auch Korruption, Vetternwirtschaft und Bande zur Halbwelt.

Serbische Demonstranten attackiere Soldaten der Schutztruppe Kfor.
Serbische Demonstranten attackiere Soldaten der Schutztruppe Kfor. Reuters/Laura Hasani

Um von den innenpolitischen Problemen abzulenken, setzte der Präsident zuletzt wieder stärker auf das emotionale Thema Kosovo. Trotzdem und trotz unablässiger Propagandaanstrengungen regierungsnaher Medien beginnt sein Glanz zu verblassen.


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.