Salzkammergut Festwochen

Shakespeares Prospero ist „eigentlich voll der Nette“

Sona MacDonald

Sona MacDonald (hier fotografiert von „Presse“-Fotograf Clemens Fabry) ist als Zauberer Prospero wirkungsmächtig bis in die kleinste Geste: Wer eine solche Darstellerin zur Verfügung hat, kann auch aus einer Bearbeitung mit Schwächen Überzeugendes machen.
Sona MacDonald Sona MacDonald (hier fotografiert von „Presse“-Fotograf Clemens Fabry) ist als Zauberer Prospero wirkungsmächtig bis in die kleinste Geste: Wer eine solche Darstellerin zur Verfügung hat, kann auch aus einer Bearbeitung mit Schwächen Überzeugendes machen. Clemens Fabry
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Aus Shakespeares „Sturm“ macht eine komprimierte Fassung in Gmunden etwas intensiv Eigenes, fokussiert auf Prosperos Humanität - und lässt Sona MacDonald brillieren.

Ein Lichtkegel, der eine sitzende Gestalt einhüllt – bis diese sich erhebt und sich mit klaren, eindringlichen Worten an die eigene Vergangenheit wendet: So lässt man in Gmunden den „Sturm“ beginnen – ohne tosenden Wind und ohne Schreie, die die Angst um das blanke Leben ausdrücken. Die Aufführung der Salzkammergut Festwochen zeigt in einer Koproduktion mit dem Stadttheater Klagenfurt Joachim Lux‘ stark komprimierte Fassung von Shakespeares „The Tempest“, die 2007 am Burgtheater zu sehen war, in der Regie von Moritz Franz Beichl. Sie lässt das Geschehen auf der Zauberinsel rund um Prospero, den hier angespülten ehemaligen Herrscher von Mailand, von drei Schauspielern darstellen: Während Sona MacDonald als Prospero mit gebieterischen Gesten und starkem Ausdruck klar die Zügel in der Hand hat, befehligt sie Josephine Bloéb und Sebastian Wendelin, die in mehrere Rollen schlüpfen.

Prospero beherrscht, das macht MacDonald von der ersten Sekunde an klar, nicht nur die Insel, auf der er einst strandete, nachdem sein Bruder ihn auf dem Meer seinem Schicksal überließ. Er hat auch Luftgeist Ariel und Erdgeist Caliban komplett in seiner Macht, befiehlt Ersterem, mit einem Sturm seine einstigen Peiniger zu erschrecken, macht aus Zweiterem mal seine Tochter, mal einen rachsüchtigen Untertan. „Sei du sie jetzt, nimm ihre Konturen an“, „Verwandle dich und sei für mich“ – so und ähnlich fordert MacDonald Bloéb und Wendelin wiederholt auf, Letzterer wird zu allen Schiffbrüchigen: Zu Alonso, zu Prinz Ferdinand, der um seinen vermeintlich toten Vater trauert und beim Anblick von Miranda in Verzückung gerät, zum überzeichnet ängstlichen Trinculo und zum saufenden Stephano.

Ein Manifest der Humanität

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