Imagepflege, so heißt es in der PR, hat hohe Priorität, sie entscheidet über das Ansehen. Fachexperten sollten darüber Bescheid wissen. Doch zuletzt wurden schwere Vorwürfe gegen einen führenden Branchenvertreter bekannt.
Von übergriffigem Verhalten, Grenzüberschreitung bis hin zu Berührungen am Gesäß und verniedlichenden Kosenamen berichten ehemalige Mitarbeiterinnen einer Wiener PR-Agentur gegenüber dem Magazin „Brutkasten“. Konkret richten sich die Aussagen gegen den Geschäftsführer, der mit März auch zum PRVA-Präsidenten gewählt wurde. Ausgerechnet jenem Branchenverband aus PR-Fachexperten, dessen Mitglieder sich zum Ehrenkodex bekennen, Mentoringprogramme anbieten und „Vertrauenswürdigkeit“ als Grundwert verstehen. Zumindest, wenn es nach der offiziellen Website geht.
Es sei eine „Zumutung, so jemanden als Vorbild zu haben“, sagt ein Mitglied gegenüber der „Presse“. In mehreren schriftlichen Statements habe man bereits gefordert, Konsequenzen aus den Vorwürfen zu ziehen. Gerüchten zufolge sollen zwei Vorstandsmitglieder bereits vor der Wahl von den Vorwürfen gewusst haben – und den Kritisierten trotzdem zur Wahl im März gestellt. Die Aussagen ließen sich „weder hinsichtlich ihres Sachverhaltes noch ihres Ursprungs verifizieren“, betont PRVA-Vizepräsidentin Ingrid Gogl, dennoch habe es ein persönliches Gespräch mit dem Geschäftsführer gegeben, um ihn mit den Vorwürfen zu konfrontieren. Er habe „glaubhaft sein Bemühen um eine Klärung der Situation signalisiert“.
Das scheint nicht gelungen. Fünf seiner ehemaligen Beschäftigten in der PR-Agentur haben sich an die Anwaltskanzlei Brandl Talos gewendet, um die Vorkommnisse aufzuarbeiten und über rechtliche Schritte zu sprechen. Von der Kanzlei heißt es auf Anfrage: „Im Rahmen der Prüfung kamen strafrechtlich relevante Vorwürfe gegen den Agenturchef auf. Da bei den vorgeworfenen sexuellen Übergriffen das Opfer identifizierbar wäre, können wir aufgrund des Opferschutzes in der Öffentlichkeit nicht näher darauf eingehen.“
Ein Umgangston, der zu wünschen übrig lässt
In dem rund 20-seitigen Untersuchungsbericht, der der „Presse“ vorliegt, ist von Übersexualisierung im Arbeitsalltag und Sexismus die Rede. Eine ehemalige Arbeitnehmerin, die nicht namentlich genannt werden möchte, berichtet davon, nach etwa eineinhalb Jahren vom Geschäftsführer zu einem Abendessen zu zweit eingeladen worden zu sein. Mit dem Vorwand, über die Zukunft der Agentur zu sprechen. Die Themen seien jedoch sehr schnell „privat“ geworden. Ähnlich ging es auch einer Mitarbeiterin, die ungefähr zweieinhalb Jahre im Unternehmen beschäftigt war. Sie sei, gemäß dem Protokoll, „in einer der ersten Wochen ihres Dienstverhältnisses von dem Geschäftsführer gefragt worden, ob sie schon mal einen Dreier gehabt hätte.“